Heute hat mir zum ersten Mal meine Arbeit keinen Spaß gemacht. Ich durfte mit zu Anhörungen von Betroffenen, die ein anhängiges Betreuungsverfahren haben, und die Leute bzgl. Unterbringungssachen/freiheitsentziehende Maßnahmen treffen. Das war echt kein Spaß.
Vom Alkoholabhängigen über Schizophrene weiter zu harten Drogensüchtigen und Leuten mit Demenz war alles dabei. Das Erschreckende ist, dass die vom Alter komplett unabhängig sind, also von 18-100+. Eine Person glaubte beispielsweise, dass sämtliche Halswirbel gebrochen sind und der Hubschrauber kommt, der sie rettet, während von einer anderen Person der Vater der heilige Stein der Reinheit ist. Am traurigsten aber war ich als ich eine alte Dame sah, die einfach nur schwer psychisch krank war und nur noch im Bett liegt. Die wartet jeden Tag nur noch darauf endlich zu sterben. Da hätte ich fast geheult, einfach weil mir diese Frau im Moment in ihrem Leid so wehtat.
Außerdem wurde mir (erneut) bewusst, wie wichtig Menschen im Bereich der menschlichen Pflege sind. Das Personal reicht für die Anzahl der Patienten gar nicht aus und dann machen die ganzen Klinken noch so einen Mist und wollen alles zentralisieren, damit dann der Drogenabhängige mit einem Kerl im Zimmer ist, der wiederum an Multipler Persönlichkeitsstörung leidet.
Das war heute wirklich einfach nur ein richtig schwieriger Tag. Ich will nicht sagen, dass es mir schlecht geht, aber teilweise bin ich doch sehr betroffen, obwohl das einen eigentlich kalt lassen muss, wenn man in so einem Berufsfeld täglich arbeitet. Härter war für mich nur die Woche als ich im Kinderhospiz war und sah wie kleine, unschuldige Kinder starben. Wenigstens hat es geschafft eine rüstige 99-Jährige mich zum Lachen zu bringen, da sie sich wirklich gefreut hat mich zu sehen, auch wenn sie nicht wirklich verstand weshalb.