Vielleicht stehe ich auch noch zu sehr unter dem Eindruck des Unfalltodes von Albert Camus vor fast exakt 50 Jahren, aber Eure DVD-Show hat mich in ihrer Absurdität mal wieder voll von den Socken gehauen. Zwar nicht der Oberüberknaller wie bei der 01/10, aber wieder grandioses Schauspiel. Die Entzweiung des sinnstrebenden Zuschauers und der sinnleeren play³-Welt weiß mich jeden Monat auf heftigste zu erheitern. Groß!
Markus an der Leine und im Sack… Da flossen Neigung und Dichtung des Mimen ja exakt zusammen, ebenso wie bei Tonis exquisiten Mahl und Stanges früheren Bemühungen als Maler im Wiener Obdachlosenasyl. Gerade von SST (welch durchsichtiger Versuch, die wahre Gesinnung durch ein mickriges „T“ zu kaschieren) ist wohl noch einiges zu erwarten. Schon das Verlagsgebäude von Computec erinnert mich doch sehr an seine architektonische Großmannssucht, ganz in der Art von AS. Und ich meine nicht Axel Springer.
Zum Print-Produkt 02/10:
Sage noch einer, dass motivierende Ansprachen des Herrn Gau… Redaktionsleiters nicht fruchten. Das ist doch richtig, richtig gut diesen Monat. Fangen wir mal bei den Kleinigkeiten an… Kaum Flüchtigkeits- und Rechtschreibfehler. Da kann ich mich aber an ganz andere Ausgaben erinnern. Hat zwar mit redaktionellem Inhalt nichts zu tun, aber der Verzicht (Ich gehe einfach mal davon aus, dass es sich um eine bewusste Entscheidung handelt) auf dummpflaumigen Download-Dünnpfiff in Anzeigenform macht das Magazin sofort wertiger. Bei den Bestenlisten gibt es schöne Kurzkommentare zu den Top3-Titeln. Herr Vorgänger von Herrn Küchler wollte nie verstehen, wie viel Charme solche kleine Spielereien haben. Das unterscheidet u.a. solide von guten Heften. Oder anders gesagt, das verstehe ich unter „play-Spirit“. Ebenso wie einige kleine feine Kalauer in Texten und Kommentarkästen, die es dieses Mal auch nicht zu knapp gab.
So, jetzt begebe ich mich aber vollends auf die rutschige Ebene. Mir egal, wer in schlechten Zeiten draufhaut, der muss auch streicheln können (Keine billigen Sprüche bitte an der Stelle!). Die Dichte an gutklassigen Texten war diesmal höchst bemerkenswert. Um bei der Tatsache nicht gleich auf Markus zu kommen (Wieder Billig-Spruch-Alarm!), erstmal zu den genialen Darksiders- und Saboteur-Reviews… Richtig feine Sache. Da liest man auch gerne zweimal. Hervorragend natürlich ebenso das Schönlein-Special. Auch wenn ich genau zu der gebrandmarkten Zielgruppe gehöre, die sich wegen Zeitmangels über weniger knackige Schwierigkeitsgrade freut, kann ich den Liebhaber-Ansatz eines Vollblut-Core-Gamers natürlich nachvollziehen. Toll geschrieben und dabei prima die Waage zwischen Anspruch und Verständlichkeit gehalten. Stimmt mir nicht jeder zu, dass solche Artikel in jede play³-Ausgabe gehören, Platzmangel hin oder her? I love it jedenfalls, denn genau da hat Print seine Daseinsberechtigung und hebt sich vom Jedermann-Journalismus im Netz ab.
Jetzt aber zum Rehmann, Markus. Das Blöde ist, dass ich den ja schon so häufig gelobt habe. Würde mir ja auch wünschen, dass ich mal was zum Rumpöbeln finde. Kann mich da nur an den Too-Human-Test in der GA erinnern, den ich nicht ganz so knusprig fand. Aber wenn der Mensch es schafft, mir mit einem Text zu einem misslungenen Skateboard-Game Freude zu bereiten, dann bin ich halt Fan. Funsport und insbesondere Skaten interessiert mich ungefähr so dolle, wie den Markus Fußball. Nämlich gar nicht. Eigentlich noch weniger. Spätestens bei der Zwischenüberschrift „Menübel“ habe ich dann aber vor Wollust spontan den Namen des Autors getanzt. In der vollbesetzten Berliner S-Bahn wohlgemerkt.
Ich hatte das erste Mal in Zeiten der Games Group (Die verbotene Bezeichnung… aber Externe dürfen den Teufel doch noch beim Namen nennen, oder?) das Gefühl, eine absolut runde Nummer geliefert zu bekommen. Vom sehr guten Editorial bis zum Impressum (Obwohl dort leider der tüchtige FFXIII-Autor übergangen wurde). Super, super, super war auch noch der Jahresrückblick, insbesondere hinsichtlich der Würdigung der verlorenen play³-Söhne.
Ein bisschen Schatten braucht es aber auch: Die Testerklärungsseite muss jetzt langsam mal überarbeitet werden, da hier z.B. immer noch „die Multiplayer- in die Spielspaß-Wertung einfließt“. Hallo? Es gibt seit zwölfzig Ausgaben eine separate Mehrspieler-Note. Wo fließt da bitte wer, wie, was mit rein. Und wieso? Auch die verbalen Bezeichnungen der Prozentspielräume passen überhaupt nicht mehr. Von Euch verrissene Games werden noch als überdurchschnittlich tituliert. Im Zeitalter einer fast ausschließlich zwischen 70 und 95% angewendeten Wertungsspanne passt das so gar nicht mehr.
Den Community-Teil komplett einzustampfen finde ich weiterhin doof, insbesondere wenn weiter zwei Seiten blöde Inlays zum Ausschneiden das Heft verschandeln. Bitte umdenken. Die drei Leser, die das brauchen, kann man auch ins Netz und an den Drucker zwingen.
Insgesamt also ein geiler Start in 2010. Freut mich. Wenn ich dran denke, dass ich vor gut drei Monaten noch schwer entschlossen war, mein Abo über Bord zu werfen, ist das schon eine krasse Entwicklung.
Hey, andere Leser, teilt ihr denn meine Meinung, dass das eine klasse Ausgabe war oder hab’ ich vielleicht einen Knick in der Optik? Ist ja zur Zeit ziemlich tote Hose im Heft-Forum… Wäre spannend, wenn es hier auch mal wieder ein bisschen abgehen würde. Vielleicht findet sich ja jemand, der die Ausgabe so richtig schön scheiße fand. Dann könnten wir mal lustig diskutieren.
Haut rein!