Auch mir hat der (wohlgemerkt
angebliche) Terrorist ehrlich gesagt extrem leid getan und ich hätte mir ebenso gewünscht, dass ich Alternativen gehabt hätte. Dennoch wusste ich um die Bedeutung dieser Szene. Wir reden hier von Rockstar. Selbstzweckhafte Gewalt habe ich noch nie in ihren Spielen gesehen. Nun gut, da gäbe es noch State of Emergency und Manhunt. Aber sonst merkt man ihre Kritik an einer bestimmten, kontroversen Thematik immer an. Und das war bei der Folterszene nicht anders. Man muss nur ein bisschen zwischen den Zeilen lesen. Wer das nicht kann oder nicht tun will, reagiert auf die Szene betroffen oder wütend.
Desweiteren werde ich nie verstehen, warum bei Spielen immer so ein Fass aufgemacht wird. Es gibt Filme, wo sich an toten Kindern vergangen wird, wo noch schlimmer gefoltert wird, als es ein GTA 5 je zeigen könnte, wo Frauen in ausufernden Szenen vergewaltigt werden (gibt sogar ein Subgenre dafür - Rape 'n Revenge), und so weiter. Sind Videospiele denn immer noch so nicht ernst zu nehmen, dass selbst Anhänger dieses Mediums sich über heikle Szenen aufregen? Ich will keinen für seine eigene Meinung kritisieren, es wundert mich nur. Vor allem, WEIL die Kritiker sich dessen bewusst sind, dass Rockstar wiederum die Gesellschaft und Politik mit teils harten, teils humorvollen Szenen und Ereignissen an den Pranger stellt.
Umso froher bin ich, dass Magazine wie eben Die Zeit oder auch Spiegel und Stern mit dem aktuellen Stein des Anstoßes differenziert umgehen und tatsächlich den Hintergrund dahinter verstehen, anstatt wieder mit der Killerspiel-Keule zu schwingen. Ich bin sicher, in der Bild oder auf RTL hieß es wieder groß: "HOSTEL ALS VIDEOSPIEL! SCHWANGERE FRAUEN MÜSSEN GEFOLTERT WERDEN, UM NEONAZIS ZU UNTERSTÜTZEN!!!!!111!1! Doch da scheiße ich drauf.
Das Thema polarisiert und das soll es auch. Es ist jedoch keine Flughafenszene aus MW2. Es soll die Verkaufszahlen nicht erhöhen. Es soll keine Gore-Bauern wie mich zum Kauf locken. Es soll zum Nachdenken anregen und folgendes Zitat aus Peters Text könnte 1 zu 1 von mir stammen:
Die Fotos und Berichte von solchen abscheulichen Taten im Namen des Anti-Terror-Kampfs gingen durch alle Zeitungen und Fernsehsendungen. Aber berührt haben sie mich nur selten wirklich: zu abstrakt war die Berichterstattung, zu fern vom täglichen Leben die Vorstellung derartiger Praktiken. GTA 5 konfrontiert mich unmittelbar mit der Folter, lässt sie mich aus der Rolle des Täters erleben, zeigt schonungslos auf, wie sinnlos sie als Mittel zur Informationsgewinnung ist.
Es ist nun mal so: Man ist abgestumpft. Man hört in den Nachrichten von einer gefundenen Kinderleiche, von einem terroristischen Anschlag oder eben von Folter in Guantanamo oder Syrien oder... Nun fühlt man sich für ein, zwei Minuten schlecht, fragt sich, wie beschissen sich die Menschheit entwickeln konnte. Dann sind die Nachrichten vorbei und Hand aufs Herz: Wer hat sich noch Stunden danach über eine schlimme und doch alltägliche Meldung den Kopf zerbrochen? Ich nicht. Nicht, weil ich ein Soziopath bin, sondern, weil ich jeden Tag sowas lese und höre. Man fängt echt an, damit zu leben. Dann kam die Folterszene in GTA 5. Und wie gesagt, das Opfer hat mir plötzlich leid getan. Ich stelle es gleich klar: Eine virtuelle Figur löst bei mir gewiss nicht mehr Mitleid aus, als ein echter Mensch. Im Gegenteil, wenn ich sowas live im echten Leben mitbekommen würde, könnte man mir schon mal einen guten Psychiater suchen. Aber ich war in dem Moment für sein Leid verantwortlich. Und das hat mich schon etwas mitgenommen. Als ich ihn am Flughafen abgesetzt hab, habe ich mir ausgemalt, wie er auf Trevors "Befehl" scheißt, nach Aserbaidschan zurückzukehren, und einfach nach Hause zu seiner Familie kommt, wo er ins Krankenhaus gefahren wird, und so weiter. Nur, um mich in meiner eigenen Haut wohler zu fühlen.
Hab ich jetzt doch über die Folterszene geredet. >:B Wollte es eigentlich vermeiden, da es mich, um ehrlich zu sein, nicht nur wundert, sondern auch ärgert, dass immer bei Videospielen eine große Nummer draus wird. Nicht bei Büchern, nicht bei Filmen, nicht bei Musik. Nein, nur bei Videospielen.