Videospiellokalisationsthread

Revolvermeister

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Der Videospiellokalisationsthread

Seid gegrüßt im Videospiellokalisationsthread, auch bekannt als "Der Große Videospiellokalisationsbewertungsthread" (was aber leider ein wenig lang und sperrig ist), in dem es vorranging um die Vertonungen bzw. Lokalisationen von Videospielen und deren Bewertung geht (eigentlich logisch). Vorrangig deutsche, aber wenn jemand etwa den Originalton über den grünen Klee loben möchte, oder die französische Fassung eines Spiels, dann ist daran natürlich auch nichts verkehrt.
Die Idee hierzu reift zugegebenermaßen bereits einige Zeit in meinem Oberstübchen. Dem ein oder anderen dürfte vielleicht auch aufgefallen sein, dass das gewissermaßen mein Steckenpferd darstellt. Wird also Zeit, dass dafür ein Extra Thread eingerichtet wird! Zumal, da somit die Diskussion im Thread "The Sly Collection" - Sly Raccoon 1 bis 3 in HD und 3D nicht dort fortgesetzt werden muss. ;D

Da ich selbst gerne mal vom eigentlichen Thema abweiche, nehme ich es auch nicht so genau, wenn etwaige Diskussionen off-topic werden sollten. ;)
Diskussionen über Synchronfassungen für Film und Fernsehen können auch gerne hier besprochen werden, solange (oder sofern?) dafür kein entsprechender Thread existiert. Bedarf seh ich dafür im Moment nicht.

Spoiler:
Aber wehe, der Thread versinkt einfach so im Nirgendwo!


Ich beginne sogleich mit einem Musterbeitrag, in dem ich sowohl ein Vertonungslob(©) als auch einen Vertonungstadel(©) präsentiere, in einer heutigen Bethesda-Doppelvorstellung:


:top: Dishonored
Die Vertonungen der Bethesda-Titel haben ja in aller Regel ein ziemlich hohes Niveau. Und Dishonored stellt das wie ich finde, ziemlich gut unter Beweis. Denn sogar eine alte Meckerziege wie ich, findet hier wirklich nicht viel, an dem sie rumlästern kann.
Namhafte Synchronschauspieler leihen den Figuren ihre Stimme, etwa Claudia Urbschat-Mingues, unter anderem die deutsche Stimme von Angelina Jolie, die im Prolog als Kaiserin zu hören ist, nur um dann umgebracht zu werden und den Rest des Spiels als okkulter Informationsspender herzuhalten.
Tilo Schmitz (Ron Perlman, Vingh Rhames und eigentlich jeder farbige Koloss in Hollywood), der als ernster, von seinen Pflichten entbundener Admiral Farley Havelock auftritt.
Kim Hasper, deutsche Stimme von Zach Braff, vertont den Outsider, eine Art mystischer Beobachter, der sich zwar nicht direkt einmischt, einigen auserwählten Individuen jedoch Kräfte verleiht, um Ihren Umgang mit diesen zu beobachten, und den Nutzen, den sie daraus ziehen, alles, zu seiner eigenen Belustigung. Dieses übernatürliche Wesen zeigt keinerlei Gefühlsregungen, weswegen der Sprecher mit der Rolle gewissermaßen die Arschkarte gezogen hat.
Außerdem zu erwähnen ist Till Hagen, der seit dem Film Sieben Kevin Spacey synchronisiert, und hier gekonnt in der Rolle des Erfinders Piero Joplin zwischen Arroganz und sozialer Unbeholfenheit pendelt.
Das Kronjuwel stellt aber das Mitwirken Jürgen Thormanns (Sir Michael Caine) dar, der den glatzköpfigen Antagonisten Hiram Burrows spricht, der mit einem Komplott die Macht an sich reißt und dessen Arroganz und Überheblichkeit mit jeder Silbe im Raum schwebt und fast greifbar wirkt.
In weiteren Rollen sind viele Hamburger Synchronschauspieler zu hören, einige namhafte und eine weniger namhafte, die aber allesamt zu überzeugen wissen und das Eintauchen in eine sonderbare Welt, in der Wissenschaft und Magie gleichermaßen ihre Heimat haben, erleichtern und das Dahinraffen eines Reiches, das stark an industrialisierte britische Empire erinnert, an einer Seuche, so richtig lebendig machen.
Unschön ist jedoch, das sich der gesprochene Text der Figuren häufig von den Untertiteln unterscheidet. Auch die deutsche Stimme der Thronerbin, Tochter der ermordeten Kaiserin, überzeugt nicht im selben Maße wie der Rest, obwohl es nicht direkt als schlecht bezeichnet werden kann. Aber so ist das eben mit Kindersprechern.
Als unschön empfand ich auch die direkte Übernahme des Namens "Outsider", es gibt zwar auch ständig englische Anreden wie "Mister" und "Missus" und natürlich "Sir" und "Lady", die man aber noch durchgehen lassen kann. Zum einen, weil man damit im Fernsehen eh regelrecht bombardiert wird, zum anderen, da der Schauplatz eine Art Fantasy-London darstellt, weswegen die Anreden nicht völlig unpassend sind. Den "Outsider" find ich dagegen ein wenig deplaziert.
Doch dieser Übersetzungslapsus ist vergeben und vergessen angesichts der, wie ich finde, genialsten Namensübersetzung aller Zeiten (zumindest im Videospielsektor). Die im englischen schlicht "Granny Rags" (Lumpenoma) genannte alte Frau, die nunmehr in den heruntergekommenen Gassen der Stadt lebt und zum Spott der Leute wurde, einst jedoch eine angesehene Adelige war, für die die Männer Schlange standen, hört im deutschen auf den Namen "Lumpengräfin". Find ich absolut genial. Geht ausgezeichnet über die Lippen und passt einfach nur perfekt. Sogar besser als das Original, wie ich finde. Wer sich das ausgedacht hat, darf sich gerne selber auf die Schulter klopfen, denn in meinen Augen, gäbe es einfach keine bessere Alternative für diese alte, schrullige Gestalt, die mir mehr als einmal eine Gänsehaut bescherte.
Und damit komme ich zum Schluss und sage: Dishonored war ein wahrer Ohrenschmaus!



:hop: The Elder Scrolls IV: Oblivion
Schlimm, schlimmer, Oblivion. Der an sich bereits wenig überzeugende Titel (0815-Fantasy-Gedöns, miese Handlung, weniger Tiefgang als der Vorgänger, und so weiter, und so fort ...), wird nur noch schlimmer wenn es um die Übersetzung geht. Jeder fängt mal klein an, und dies stellt nicht minder als Bethesdas eigenen Anfang dar, ganz weit unten im Qualitätskeller.
Fangen wir mit den Sprechern an, ebenfalls wieder mit den Bekannten. Da wären Joachim Kerzel (Jack Nicholson) und Tobias Kluckert (unter anderem die deutsche Stimme von Seth Rogen, Bradley Cooper, Jason Bateman, Gerard Butler, 50 Cent und noch'n paar weiteren). Joachim Kerzel spricht niemand geringeren als den betagten Kaiser, der (ähnlich wie in Dishonored) zu Beginn des Spiels ermordet wird. Wobei man in Frage stellen darf, wozu man einen alten Opa jenseits der 80 umbringt ...
Als sein unehelicher Bastard tritt dann Tobias Kluckert auf.
Nur so viel sei gesagt: überfordert oder sonderlich engagiert waren sie beide nicht.
Für den Rest, der reichlich bevölkerten Spielwelt hatte man dann haargenau zehn Sprecher. Zehn. Fünf Männer und fünf Frauen, die dann jeder das gesamte Geschlecht einer Rasse, oder gar zweier Rassen tragen müssen.
Das gesamte Spiel hatte also 'ne richtig derbe Billigsynchro, wobei es zumindest für mich etwas auf trashige Art und Weise amüsantes hatte, wenn dich eine Figur, gesprochen von Mario Hassert, zu einer anderen Figur schickte, die - genau! - gesprochen wurde von Mario Hassert! Aber die Sprecher können natürlich am wenigsten etwas dafür.
Der Schuldige ist nämlich tatsächlich Bethesda! Und damit meine ich, dass die die Lokalisation eigenhändig verbrochen haben.
Und während der Ton mit akuter Sprecherarmut und billiger Aufnahmequalität auffiel (die zumindest im englischen ebenfalls vorhanden war), war die Übersetzung das reinste Trauerspiel. Das fängt mit harmloserem Begriffejonglieren an. So ist etwa der Kontinent Himmelsrand sowohl als "Skyrim" als auch als "Himmelsrand". Schlimm wird's, wenn dann auch noch die zehn Sprecher dazukommen, die armen Schweine!
Dann haben wir nämlich die Auswahl zwischen "Himmelsrand", "Skyrim" und der genialen dritten Variante "Skürim", was auch sonst?
Es geht weiter mit ganzen Sätzen, die ohne Sinn und Verstand übersetzt wurden. Eine Wache, die im englischen während eines Kampfes ruft: "Show me what you've got!", brüllt im deutschen: "Zeigt mir was Ihr habt!" anstatt korrekterweise "Zeigt, was Ihr könnt!".
Den Vogel total abgeschossen haben aber die wirren Trankbezeichnungen, allen voran "Schw.Tr.d.Le.en.-W.", und das hab ich mir (trauriger- und peinlicherweise) nicht ausgedacht!
Kann jemand erraten, wofür diese abstruse Kurzschreibweise steht? "Schwacher Trank der Lebenseneergiewiederherstellung", wofür auch sonst?
Glücklicherweise hat Bethesda aus diesem Übersetzungsdebakel gelernt und es ab Fallout 3 dann richtig gemacht. An diesem Tag atmete die Welt erleichtert auf.







Ich will übrigens darauf hinweisen, dass ein Fazit oder eine Bewertung nicht so lang wie hier sein müssen! :B
 
Zuletzt bearbeitet:

T-Bow

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Da isses also, sein erstes Mal...

Spoiler:
Aber wehe, der Thread versinkt einfach so im Nirgendwo!
Wäre bei dem Threadtitel kein Wunder. :B

Bin dafür, dass du noch die Diskussion vom Sly-Thread Slythread verlinkst, damit auch jeder weiß, wie dieser Thread zustande kam und man unsere Diskussionen nachlesen kann, da wohl nicht jeder im Sly-Thread reinschaut. Kannst hier übrigens gern auf unsere letzten Beiträge vom Sly-Thread eingehen, falls erwünscht, und hier alles fortführen. ;)

Finde es erfrischend, dass du quasi Reviews explizit zu den (deutschen) Synchronisationen (und Übersetzungen) verfasst :top:

Wie ich bereits in den anderen Thread schrieb: Wäre besonders gespannt auf deine Meinung zu der deutschen Synchro von Driver: San Francisco. Rein von der Stimmen-Qualität her fand ich sie hervorragend. Vielleicht hast du es ja gezockt oder wirst es noch zocken. Falls nicht, schaue dir einfach ein paar Videos dazu an.
 

Revolvermeister

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Wäre bei dem Threadtitel kein Wunder. :B
Ach, der hat doch Charme! :B

Bin dafür, dass du noch die Diskussion vom Sly-Thread Slythread verlinkst, damit auch jeder weiß, wie dieser Thread zustande kam und man unsere Diskussionen nachlesen kann, da wohl nicht jeder im Sly-Thread reinschaut. Kannst hier übrigens gern auf unsere letzten Beiträge vom Sly-Thread eingehen, falls erwünscht, und hier alles fortführen. ;)
Kann man machen, war auch so gedacht. Nur wollte ich damit nicht schon in meinem Startpost anfangen, der ist ja schon so lang genug geworden! ;D
Ich wunder mich bloß, warum du das nicht gleich gemacht hast? :B

Also liebe Kinder, setzt euch ans Lagerfeuer, denn der Märchenonkel erzählt euch allen eine Geschichte.
Alles fing mit einem kurzen Beitrag von mir im oben erwähnten Sly-Raccoon-Thread an, in dem ich die Vertonung des Spiels als miesesten Käse seit langem bezeichnet hatte. :B
Dieser Satz löste eine Lawine aus. Antworten führten zu Antworten auf Antworten und diese Lawine führt uns geradewegs hierhin.

Ich meinte mit der Synchronisation eher die Qualität der Stimmen an sich, verglichen mit anderen Synchros.
Dadurch macht man es sich allerdings zu leicht, wie ich finde, denn zu einer guten Synchronisation gehört halt auch einfach ein gutes Dialogbuch. Wenn ich den gesprochenen Text außer Acht lasse, können die ja im Studio genauso gut einfach das Telefonbuch vorlesen und ich müsste das ganze dann als "gute Synchro" werten. :B
So zum Beispiel in "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt". Die Sprecher machen alle einen guten Job, aber die Übersetzung ist derart schlecht, dass es für mich tatsächlich den Film gewissermaßen zerstört hat! Ehrlich wahr. :pissed:
Außerdem ist noch der Klang an sich zu erwähnen. Manchmal fehlt ein gewisser Raumhall, manchmal ist selbiger vorhanden, obwohl da mitten in der Prärie eine Unterhaltung stattfindet. Krasses Beispiel ist dabei die Serie Dexter. Der Ton ist derartig steril, dass es die ganze Synchro runterzieht. Das ist dann insofern Schade, weil Michael C. Hall im deutschen echt genial gesprochen wird, auch wenn ein paar andere Besetzungen eher gewöhnungsbedürftig sind.

Übrigens irritiert mich deine Aussage, dass man sich bei Dragon Ball Z an die französische Vorlage gehalten hat. Was die Cuts angeht, so stimmt das. Aber die Synchronisation? Ist mir neu... Man hat sich an das japanische Original gehalten, soweit ich weiß. Bestes Beispiel dafür ist die "OVER 9000!!!"-Szene, da Nappa im Deutschen "Über 8000!" gesagt hat - genau wie im Original.
Ich ging immer davon aus, dass, wenn sie schon dieselben Schnitte verwendet haben, die französische Version auch als Vorlage verwendet wurde. Würde zumindest erklären, wieso man zuerst Steve Urkel auf Vegeta gehört hat, denn in Frankreich klingt der mächtigste Sayajin der Welt auch ein wenig ... schrill. Und ist asynchron. :B
Spoiler:
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Das mit der 9000 war doch auch nur in der englischen Fassung, oder? Wenn im Französischen ebenfalls 8000 geagt wurde, stehen wir wieder am Anfang. :B

Spoiler:
Wäre Driver: San Francisco nicht genau dein Spiel, wenn es um Synchros geht?
Spoiler:

Das kannst du doch gleich auf alle Ubisoft-Spiele erweitern. Die sind alle so Hollywoodlastig seit ein paar Jahren. Driver: San Francisco hab ich gespielt und für gut befunden. Sowohl das Gameplay als auch die Vertonung! ;)
Am meisten hat mich Benjamin Völz (Charlie Sheen, Keanu Reeves, David Duchovny, Matthew McCounaughey) als farbiger Beifahrer überrascht. Hab den Mann noch nie vorher in einem Videospiel vernommen. Hab ihn immer für zu teuer gehalten. ;D
Witzig finde ich besonders die deutschen Fassungen der Assassin's Creed-Teile. Bis Assassin's Creed 3 merkt man richtig, wie da die Hollywoodstimmen mehr und mehr die Überhand gewinnen! :B


;D Der Synchronsprecher von Lee hat seine Sache exzellent gemacht, findest du nicht auch?
Uh, The Walking Dead. :-D
Mit den englischen Voice Actors kenn ich mich jetzt nicht besonders aus, aber klar, die Vertonungen der Telltale-Spiele sind schon auf hohem Niveau. Lee war übrigens (in TWD Season 1) der einzige relativ bekannte Sprecher. Die restlichen Figuren wurden ja eher von unbekannten Schauspielern vertont.
Und in Staffel 2 hatte man dann Michael Madsen! :B
 
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Revolvermeister

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So, Kinder, Zeit wird's für neuen Lesestoff. Heute stelle ich mal im Handumdrehen einfach einen neuen WELTREKORD auf. Und zwar den für den längsten Beitrag im Internet! Ganz Recht, ich hab den längsten (Bleistift) der Welt!
Diesmal dürfen sich Fans von Biowares fulminanter Science-Fiction Saga freuen, genauso wie allgemein Lesehungrige (und Sonderlinge mit einem Faible für Reviews zu deutschen Fassungen von Videospielen). Eine Reihe, die als Rollenspiel anfing, dann als reiner Shooter wiederkam um ganz zuletzt als exzellenter Hybrid zurückkehrte. Mesdames et Messieurs, ich präsentiere ein Mass-Effect-Triple-Feature.

:hop: Mass Effect
Spoiler:
Der erste Teil der Reihe wurde ursprünglich von Microsoft veröffentlich, infolgedessen ist die Vertonung (um das Fazit schon einmal vorweg zu nehmen) mies. Sie bewegt sich also wie das bei Microsoft üblich war, auf eher niedrigem Niveau.
Was lief falsch?
Beginnen wir mit dem deutschen Text. Die Übersetzung ist holprig. Der Text kantig und ungeschliffen. Eine gewisse Natürlichkeit war nicht vorhanden. Dazu kam, dass die Textschnipsel absurd lang waren. Kleines Beispiel: "C-Sec", die sowas wie die Polizei auf der Citadel darstellt, dem pochenden Herzen der galaktischen Gemeinschaft der Milchstraße, wurde allen ernstes mit dem extrem langen und sperrigen "Citadel-Sicherheit" übersetzt. Daran stören zwei Punkte.
1) Es ist wie bereits erwähnt, echt verdammt lang. Das Problem mit zu lang liegt darin begraben, dass die gesprochenen deutschen Sätze nicht länger sein dürfen als die englischen. Sind sie es doch, werden sie einfach mitten im Satz abgeschnitten. "C-Sec" hat zwei Silben. "Citadel-Sicherheit" hat sechs. Also dreimal so viel. Der Text, der hier dazukam wurde natürlich an anderer Stelle gestrichen. Namen etwa, werden daher häufiger weggelassen.Warum man es sich selbst und den ganzen Sprechern so schwer gemacht hat, weiß ich nicht.
2) Wie inzwischen (leider) üblich, wurde das hier abgekürzte Wort "Security" mit "Sicherheit" übersetzt. Security ist so ein Wort, das abhängig ist von seinem Kontext, eine eindeutige allgemeine Übersetzung gibt es dafür nicht. Und weil es Zeit und Hirnschmalz kostet zu überlegen, ob da jetzt im Kontext "Wachdienst", "Türsteher", "Garantie" oder halt "Sicherheit" gemeint ist, ging der Konsens irgendwann dazu über einheitlich "Sicherheit" zu verwenden. Sogar wenn es nicht passt. Leider haben Übersetzer gerade bei Videospielen immer nur den jeweiligen Satz vorliegen, ohne die aktuelle Situation zu kennen und nur in den seltensten Fällen die Möglichkeit gehabt, das Spiel überhaupt zu spielen. Den Kontext müssen sie daher erraten, weswegen wir im Endeffekt eigentlich alle angeschissen sind.
Ein eigentlich angenehmer Ansatz (wobei das in erster Linie Geschmackssache darstellt) war das Eindeutschen. Angenehm deshalb, weil ich es als Zeichen betrachte, dass sich der Übersetzer ein Mindestmaß an Gedanken gemacht hat. Das Spiel spielt im Weltraum, mit unzähligen außerirdischen Spezies und Kulturen. Deren kulturelle Fachbegriffe alle englisch auszusprechen sehe ich als eher holprige Lösung. Daher wird beispielsweise die Maschninenrasse der Geth "geht" ausgesprochen, es wird von "Technik" geredet anstatt von "Tech" und der außerirdische Begleiter Garrus kriegt ein deutsches a verpasst.
Nur ist das hier ebenfalls wieder so halbherzig umgesetzt wie der Rest der Übersetzung. Eine "Citadel" gibt es auch im deutschen (wobei es fraglich ist, ob man das Ding lieber Zitadelle hätte nennen sollen). Und um selbst den letzten Spielern zu zeigen, dass man hier nichts halbes und nichts ganzes gemacht hat, wird diese "Zitadel" ausgesprochen. Autsch. Da hätten sie's lieber gleich so lassen sollen, wie's war (was in späteren Teilen auch gemacht wird).

So, zu den Sprechern. Ein paar bekannte Stimmen sind dabei, der Großteil besteht aus unbeschriebenen Blättern. Unbeschriebene Blätter, die eine eher blasse Leistung abliefern, aufgrund echt mieser Regie. Die wenigsten brillieren.
Shepard (männlich) hat Potenzial, wenn man sich an die Stimme gewöhnt hat, weiß es aber leider nicht zu nutzen. Da er nach Teil 1 eh nicht mehr zum Einsatz kommt, konnte er das nie zeigen. Besser als sein englisches Pendant, Mark Meer, war er zumindest.
Witzige Zwischeninfo: Der Name des Sprechers lautet Herber Schäfer. SCHÄFER!
Selbes Spiel bei Garrus, wobei dessen Stimme zumindest in den Nachfolgeteilen ordentliche Leistung zeigen kann/darf.
Liara T'Soni, besetzt mit Christine Stichler (Debra Messing in Will & Grace, Cobie Smulders in How I Met Your Mother, Meg Griffin in Family Guy) war nicht schlecht, allerdings konnte ich mich persönlich noch nie so richtig für die Stimme begeistern. Persönliche Befangenheit also. Team-Mitglieder Ashley Williams und Kaidan Alenko gingen so. Bei ersterer verhält es sich wie folgt: Nachdem ihre Sprecherin gewissermaßen den Miniauftritt in Teil 2 ausgesetzt hat, ist sie in Teil 3 wieder zu hören, und da klingt sie sogar richtig gut. Das alles natürlich nur, sofern sie den ersten Teil überlebt.
Tali'Zorah, eine Begleiterin, die ständig einen Weltraumanzug tragen muss, nervt übrigens mit einer unangenehm hohen Stimme im Deutschen.
Richtig zu überzeugen wussten eigentlich nur Captain David Anderson, der von Thomas Rauscher (Hausmeister Willie bei den Simpsons) gesprochen wurde, Hubertus von Lerchenfeld (u. a. Seth Green in Austin Powers und Jason Segel in How I Met Your Mother) auf dem Raumschiffpiloten Joker und Kai Taschner (Stimme des Mörders in der Scream-Reihe) als der Schurke Saren, der die Rebellion der Maschinen anzettelt und so die Galaxie an den Rand der Vernichtung bringt.
Außerdem zu erwähnen ist Stefan Müller-Ruppert auf Wrex. Aber nicht etwa, weil er sonderlich gute Leistung bringt - die ging eigentlich -, sondern, weil der Mann einen gewissen Kultfaktor in Bezug auf schrottige Videospielsynchros hat. Ist er zu hören, weiß man, dass die Vertonung murks ist.
Regie führte übrigens eine Frau mit dem Namen Cornelia Bitsch (kein Scherz!), die auch häufiger im Spiel zu hören war (etwa auf Dr. Chakwas). Ich mach's kurz. Angenehm fand ich ihre Stimme nicht. Ihre Fähigkeiten in der Regie sind ... mangelhaft. Und selbiges lässt sich über die Vertonung von Mass Effect sagen.


:top: Mass Effect 2
Spoiler:
Neuer Teil, neues Tonstudio, und ein ganzer Haufen neuer Sprecher. Das, meine Lieben, ist der zweite, umstrittene Teil der Mass-Effect-Trilogie. Umstritten? Allerdings. Kaum ein Titel dürfte die Spielerschaft mehr gespalten haben (und das in mehrerlei Hinsicht). Rollenspielfans haben den Genrewechsel nie überwunden, und der Ton (um den es hier ja hauptsächlich geht) sorgte für noch mehr genauso viel Wirbel. Während die einen die Lokalisation von Teil 1 gut befanden und ihren alten Shepard zurückforderten und den neuen total niedermachten, rief die O-Ton-Riege, man könne Mass Effect eh bloß auf Englisch richtig spielen. Nur ein kleiner Splitterteil (Hallo, allerseits!) sah die Veränderungen auch als Verbesserungen (was sie objektiv betrachtet zum Großteil auch sind). Außerdem kam man so wenigstens um Mark Meer rum.

Zuallererst mal wird eine klare Linie gefahren und der Übersetzungsunsinn aus dem Vorgänger über Bord geworfen: Weg mit der Technik, her mit der Tech, "Geht" geht auf keine Kuhhaut, alle Macht den Geth! Garrus kriegt sein "ä" zurück! Der Wachdienst wurde gekürzt auf C-Sicherheit ... zwar immer noch suboptimal aber besser als nix. Und was zum Geier war eigentlich ein "Zitadel"??
Die Texte haben nunmehr die magische Eigenschaft nicht mehr negativ aufzufallen, Luft nach oben ist zwar (wie so oft) vorhanden, aber Grund zur Beschwerde besteht hier die meiste Zeit nicht. Lediglich ein paar Punkte gaben Anlass zur Kritik, auf die ich im Verlauf dieses Textes noch zu sprechen komme.
Kommen wir zu den Sprechern: Anderson hatte nicht mehr Thomas Rauscher, sondern Bernd Stephan. Kam zwar nicht an seinen Vorgänger ran, war aber an sich nicht das schlechteste der Welt, zumal die Rolle diesmal auch eher klein ausfiel. Was der Besetzung aber etwas arg unschönes verlieh, war die Tatsache, dass Bernd Stephan bereits den Martin-Sheen-Part sprach - und zwar verdammt gut -, den geheimnisvollen (und undurchsichtigen) Illusive Man. Im deutschen bezeichnete er sich hingegen als der Unbekannte. Der erste Kritikpunkt an der Übersetzung. Der Unbekannte ist eine ziemlich schwache Übertragung ins Deutsche, ein wenig langweilig. Es hätte ja wenigstens ein "Unsichtbarer" sein können. Wobei das natürlich auch nicht perfekt ist.
Auch nicht so gut kam Aria T'Loak im Deutschen weg. Die selbst ernannte Herrscherin der Weltraumstation Omega, auf der Verbrechen und Gewalt allgegenwärtig sind. Problem Nummer eins bei der guten Aria ist ihre Sprecherin, Marion Elskis. Die gute Frau, deren Stimme man am ehesten aus King of Queens (in der Rolle der Holly, gespielt von Nicole Sullivan) kennt, tut sich schwer damit, die knallharte Königin von Omega auch entsprechend knallhart klingen zu lassen. Es gelingt ihr leider nicht immer, und wenn, dann auch nur einigermaßen.
Das zweite Problem ist, dass man den markanten Satz, der bereits in einem der Trailer dem Internet vor die Füße geworfen wurde, nicht adäquat zu übersetzten wusste. "Don't fuck with Aria" wurde zum viel zu zahmen "Leg dich nicht mit Aria an", oje! Mir persönlich fällt aber auch keine zufriedenstellende Alternative ein, die den Satz nicht viel zu lang machen würde.
Ebenfalls unschön war der erneute Auftritt von Ashley Williams, Mannschaftsmitglied aus dem Vorgänger (siehe voriges Review). Der Auftritt war jedoch so marginal und klein, dass man es sich leicht machte. Man scheute Kosten und Mühen und bekam eine Stimme zu hören, die wirklich so gar nicht passen wollte. Da aber bereits ihr Charaktermodell nicht durch Qualität glänzte und aussah, als hätte man einfach das Modell aus dem Teil davor wieder verwendet mit matschigeren Texturen, könnte man sagen, dass man in der Hinsicht nur dem Vorgehen von Bioware nacheiferte.

Soviel zum schlechten, kommen wir zum Guten. Kommen wir zu Shepard. Shepard, mit der neuen Stimme? Wieso hat man die alte überhaupt gewechselt? Der Sprecher hieß doch sogar schon Shepard! Wenn das kein Wink des Schicksals war? Und da besetzt man einfach um?!
Erik Schäffler hat sich zu Beginn ziemlich viel anhören müssen. Und ich selbst muss auch zugeben, dass der Ersteindruck ... besser hätte sein können:
Spoiler:
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Traurig aber wahr, hier klang er grauenhaft. Echt daneben. Mit dem Ton scheint auch was nicht zu stimmen.
Kein Vergleich mit dem fertigen Spiel! Da trumpft er nämlich auf. Er macht den Commander nicht zu einem gesichtslosen Avatar des Spielers, wie etwa Schäfer in Teil 1 oder Mark Meer im Englischen. Nach einer (bei mir) relativ kurzen Eingewöhnungszeit als man sich durch die Forschungseinrichtung des Projekt Lazarus - Wieder etwas, das mich an der Übersetzung störte, denn Projekt Lazarus war auch so 'ne Sache. Den guten alten Lazarus hat man nämlich konstant englisch ausgesprochen. Da hätte es dann doch deutsch sein dürfen, und tatsächlich rutscht einem der Sprecher sogar einmal die deutsche Aussprache raus. Peinlich, aber kann passieren.
Zurück zum Schäffler-Shepard, der sich als härteste Sau im Universum entpuppt. Gibt er sich mal lieb und sanft, klingt er zugegeben ein wenig daneben, aber das hab ich als Eigenheit Shepards angetan, der in erster Linie ein knallharter Soldat ist, und tanzt wie ein Fisch an Land. Wenn Shepard im Kampf lauthals Befehle brüllt, oder Feinde bedroht und besagten Bedrohungen Taten folgen lässt, dann zeigt sich wer der Chef im Ring ist. Schäffler lässt es mit seinem Sprechorgan regelrecht donnern, verschafft sich Gehör und übertont das prasselnde Gewehrfeuer der umkämpftesten Schlachtfelder. Da übertrifft ihn keiner. Eins mit Stern. Der Mann hat sich mit der Leistung direkt in mein Herz gebrüllt.
Super kommen auch die schwülstigen Reden des Commanders rüber. Du hörst sie, du weißt, wie übertrieben und blöd sie eigentlich sind, geschwängert mit Pathos. Trotzdem krieg ich Gänsehaut. Trotzdem packt es mich voll. Erik Schäfflers Commander Shepard war in meinen Augen nicht mein Shepard. Sondern er war DER Shepard. Im Deutschen bekam er erst Persönlichkeit (um nochmals über die englische Vorlage des männlichen Shepard herzuziehen). Gegen ihn spricht meiner Meinung nach höchstens das Alter. Shepard ist in seinen Zwanzigern. Schäffler nicht. Aber Shepard hat auf mich ohnehin immer etwa zehn Jahre älter ausgesehen. Jetzt klingt er halt auch so.
Das hohe Niveau zieht sich auch durch die neue Mannschaft.
Garrus, gesprochen Ronald Spiess, klingt diesmal ordentlich abgehärtet, wie der Soldat, der er auch ist, aber ohne seine steife Art zu verlieren, was der Pilot Joker mit "Stock im ..." kommentiert. Joker wird übrigens wieder von Hubertus von Lerchenfeld gesprochen. Allgemein sind Garrus und Joker die einzigen, die ihre alten Stimmen behalten haben. Der ganze Rest (mit Ausnahme vom weiblichen Shepard, den ich nicht gespielt habe und deswegen außen vor lasse) wurde munter neu besetzt. Wobei die größte Rolle der ehemaligen Charaktere eh an Garrus geht und der hat, wie bereits gesagt, seine alte Stimme behalten.
Jennifer Lawson, die in Teil 2 gewissermaßen Shepards Stellvertreterin darstellt, wird gesprochen von Jennifer Böttcher, die hier zeigt, dass sie mehr kann, als nur "Geiz ist Geil!" für Saturn zu rufen.
Dr. Mordin Solus, ein hyperaktiver Wissenschaftler, wird gesprochen Jürgen Holdorf, den ich bisher immer eher als träge mit entsprechenden Rollen wahrgenommen habe (etwa auf Steve Schirripa in Die Sopranos), hier aber das Tempo merklich anzieht und einige Oktaven höher klingt.
Grunt, ein geklonter Kroganer, die sowas wie geborenen Krieger sind, wird von Ole Jacobsen gesprochen, der für den Klon seine Stimme drückt und ihn ziemlich angepisst anlegt, eine echt solide Leistung. Der Name von Grunt ist übrigens dirket den letzten Worten seines Schöpfers entnommen. Im Deutschen beschreibt er ihn als "grantigen" Frontsoldaten, wovon er sich dann seinen Namen ableitet. Ich hielt's für eine elegante Lösung.
Thane Krios, ein todkranker und hochbegabter Auftragskiller, sehr überzeugend gesprochen von Konstantin Graudus (Michael Imperioli in Die Sopranos, Tony Hale in Arrested Development, Gabelstapler Klaus), kann man eine Mischung aus Reue und gleichzeitiger Empfindungslosigkeit für sein Handwerk anhören, bei der eine gewisse Melancholie mitschwingt.
Die Ganzkörpertätowierte, Jack, gesprochen von Kathrin Spielvogel, klingt dreckig, ordinär, angriffslustig, zuweilen aber auch hilflos, überfordert und verwirrt. Eine anspruchsvolle Rolle, die im Deutschen aber zum Großteil gut abgedeckt wird. Aber nicht jeder Satz klingt einwandfrei, was womöglich an fehlender Routine Spielvogels liegt, große Rollen im Synchron hatte sie bislang nämlich nicht. Aber dafür klingt sie nicht so langweilig sauber auf Synchron getrimmt wie das heute die Regel ist.
EDI, die KI von Shepards Schiff wird einwandfrei gesprochen von Christine Pappert (Leah Remini in King of Queens). Die Anspielung auf Battlestar Galactica mit Originalstimme Tricia Helfer geht allerdings verloren.
Tali'Zorah, gesprochen von Mia Diekow, klingt um Welten besser als im Vorgänger.
Wrex, sofern er den ersten Teil überlebt hat, wird hier bei seinem Auftritt von Thomas Karallus (Kevin James) gesprochen. Fand ich eher gewöhnungsbedürftig, obwohl man technisch nachgeholfen hat, aber spätestens in Teil 3 hatte man sich dann daran gewöhnt.
Liara T'Soni kriegt ab Teil 2 die Stammstimme von Jennifer Morrison (Dr. House, Once Upon A Time) spendiert, eine Kombination die mir zumindest sehr gut gefallen hat.
Und alle, die ich nicht mehr anspreche, sind ebenfalls auf hohem Niveau.
Unschön war, dass ab und an vereinzelt die Sätze abgeschnitten werden (weil man auf die Länge der Sätze nicht geachtet hat), ist blöd, kommt allerdings so selten vor, dass das keinen Genickbruch darstellt, insbesondere wenn man die unfassbare Textmenge betrachtet.
Mein Fazit ist klar, Mass Effect 2 auf Deutsch ist nicht perfekt, aber verdammt gut.


:top: Mass Effect 3
Spoiler:
Der dramatische Abschluss der Trilogie. Mit dem Rücken zur Wand kämpft man sich durch die Schlachtfelder der Galaxis und der Politik. Die Reaper, gigantische Maschinenwesen, die nicht weniger als die Vernichtung jeder Weltraumspezies im Sinn hat, und denen man bereits seit dem Erstling immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht, haben nach dreijähriger Reise die Milchstraße erreicht und beginnen alles auseinander zunehmen, was ihnen vor die blechernen Tentakel kommt. Wieder ist es Commander Shepard, der als so ziemlich einziger Mensch den Durchblick und die nötigen Eier in der Hose hat, um dem Tag der Abrechnung entgegenzutreten.
Erik Schäffler überzeugt mich wie bereits im Vorgänger in der Rolle des Commanders. Er schreit, er brüllt, er ballert sie alle an die Wand, egal wie überlegen der Feind auch sein mag. Das hohe Niveau behält er auch in den DLCs.
Spoiler:
Im Angesicht mit den Leviathanen, die ihn nicht wieder gehen lassen wollen, brüllt er mit einer Entschlossenheit und Verzweiflung, dass er hoch, an die Front gehöre, und es sich verdient hat zu kämpfen, dass mir ein beeindruckter Laut entglitt. Shepards bösen Klon spricht er so übertrieben und angebracht, wie es die augenzwinkernde Art und Handlung im Citadel-DLC hergibt.

Und überhaupt, es bleibt bis zuletzt auf höchstem Niveau. Sogar im Gespräch mit dem Katalysator hat er mir gefallen. Schwer verletzt und verwirrt, wenn die letzten Fragen geklärt werden (mehr oder weniger).
Bernd Stephan auf dem Unbekannten ist wie im Vorgänger eine tolle Besetzung. Überlegen und mit unerschütterlicher Selbstsicherheit gibt er den eiskalten Anführer seiner organisierten Terrorgruppe, der mehr und mehr, aber doch kaum merklich den Blick für die Realität verliert.
David Anderson, der im Vorgänger noch behelfsmäßig sich die Stimme mit dem Unbekannten teilte, wird im Finale von Rainer Schmitt gesprochen. 100 % sitzt er jedoch nicht. Thomas Rauscher bleibt in dem Hinblick das Optimum der Trilogie.
Neue Figuren gibt es wenige. In erster Linie schart man in dem Spiel das ehemalige Team um sich, eine vereinte Waffenbruderschaft, die durch dick und dünn geht.
Eine, dieser wenigen neuen Figuren stellt James Vega dar, der im Original von Freddie Prinze Jr. seine Stimme verliehen bekommt. Gesprochen wird er im Deutschen jedoch nicht von seiner Standardstimme (zum Glück!), sondern von Jan-David-Rönfeldt (Snoop Dogg, oder Victor Szasz in der Arkham-Videospielreihe), der hier gekonnt den Latino gibt und den einzigen Sprecher Deutschlands darstellt, der es in meinen Augen schafft einen Afroamerikaner glaubwürdig nach Ghetto klingen zu lassen.
Ashley Williams (sofern noch am Leben) hat erfreulicherweise wieder ihre Stimme aus dem Erstling und macht eine richtig gute Figur. Eigentlich schade, dass die Rolle nervt und ständig Commander Shepard in Frage stellen muss.
Erwähnenswert, ist auch Admiral Hackett, der der Oberbefehlshaber des Militärs der Menschheit ist und, obwohl er bereits im ersten Teil vorkam, hier zum ersten Mal richtig in Erscheinung tritt. Gesprochen wird er von Eberhard Haar (James Gandolfini in Die Sopranos, Batman in der Zeichentrickserie aus den 90ern, John Doman in Gotham), der einen Mann darstellt, der schon viele Schlachten gesehen hat und nun, Angesichts der überwältigenden Streitkräfte des Feindes, viele schwierige Entscheidungen zu treffen hat, die immer Leben kosten.
Neu im Mass-Effect-Universum ist auch der Auftragskiller Kai Leng, der aussieht, als käme er ursprünglich aus Deus Ex: Human Revolution. Er stellt die rechte Hand des Unbekannten dar und ist sein Mann fürs Grobe. Der Mann für Sachen, die zuvor Shepard in Mass Effect 2 erledigt hat. Gesprochen wird er von einem der ganz großen: Torsten Michaelis (Wesley Snipes, Chris Tucker, Sean Bean, Damian Lewis, Benicio del Toro, Donnie Wahlberg, und so weiter. In Videospielen kennt man ihn unter anderem als Agent 47 aus Hitman, als Max Payne in Max Payne 2 und als Pagan Min in Far Cry 4). Die Besetzung hat etwas von Perlen vor die Säue. Kai Leng ist ein grimmiger Killer, der etwa vier bis fünf Auftritte im Spiel hat, alle nicht besonders lang. Die Figur ist recht wortkarg und bleibt bis zuletzt oberflächlich, was Schade ist, da man eigentlich gern mehr von Michaelis gehört hätte.
Beim Rest vom Fest verhält es sich wie beim Vorgänger. Alles auf hohem Niveau. Wobei Aria nach wie vor bemüht klingt.
Die Übersetzung ist weitestgehend in Ordnung. Die größten Mankos stellen Begrifflichkeiten dar, die aus Mass Effect 2 übernommen wurden, sprich "Der Unbekannte" und Arias Standardsatz, ein Wechsel wäre aber Schwachsinn gewesen.
Unschön ist, dass sich der gesprochene Text und die Untertitel unterscheiden, wobei das durchaus auch ganz interessant zu sein kann, wie beide sich unterscheiden, etwa wenn Anderson beim Anblick Shepards sagt: "Was sehen meine entzündeten Augen?", während in den Untertiteln steht: "Wenn das keine Augenweide ist!".
Die Tatsache, dass man den Namen "Stargazer" nicht übersetzt hat, der die Geschichten des Commanders erzählt, störte mich ebenfalls. Der Name taucht aber bloß in den Untertiteln auf.

Ich zumindest war wie bereits bei Mass Effect 2 mehr als zufrieden, und kann nur sagen, ich liebe Mass Effect!
Und ich liebe Mass Effect auf Deutsch (zumindest 2/3)!


Ich bedanke mich bei allen für ihre Zeit! :)
 

T-Bow

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Gibt es eigentlich keine Seite, die die deutschen Synchronsprecher jeweiliger Spiele auflisten? Am Besten noch mit der Info ".. hat außerdem Charakter X bei Spiel Y synchroniert". Revolver, wo bleibt deine Homepage? %) Finde ich fast schon zu schade, dass die deutschen Synchronsprecher kaum Anerkennung erhalten, unabhängig vom Spiel. Oder man kaum was zu diesen findet. Immerhin, zu BioShock gibt es sogar Videos dazu.

Aktuell interessieren mich die deutschen Sprecher von "Borderlands: The Pre-Sequel". Allein schon, weil ein Kollege meinte, dass sich ein Charakter wie die Synchronsprecherin von Ellie anhört. Dem stimme (höhö...) ich nicht zu. Und meine Ohren der Meinung sind, T.J. (Disney's große Pause) und Murray (Sly Cooper) vernommen zu haben. Außerdem würde ich noch gerne den deutschen Sprecher vom Hauptcharakter aus "Battlefield Hardline", "Nicholas Mendoza", wissen. Kommt mir auch sehr bekannt vor, aber kann ihn nicht zuordnen...

Finde dazu leider überhaupt nichts. :|
 
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Sc4rFace

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Ich beteilige mich am Thread und sage, dass ich kein Spiel mehr auf deutsch hören möchte. Bei mir wird alles auf englisch gespielt und je nachdem wie umfassend die Story ist mit englischen Untertiteln. Kann die Stimmen einfach nicht mehr hören und wenn ich höre wie geil die Stimme im Original ist und dann völlig verändert ist bei der Lokalisation. Nein, danke.

Es gibt aber auch negative Beispiele für englische Sprecher und das aktuellste ist wohl Final Fantasy 15. Grenzenlos fremdschämend :B Habe übrigens im TV schon Sprecher aus Metal Gear Solid 1 erkannt und war überrascht wie wenig sie mittlerweile dazu gelernt haben. Besonders die von Meryl :S
 

paul23

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Ich persönlich würde die deutsche Sprachausgabe immer bevorzugen, und mag die noch so schlecht sein. :-D Zumindest verstehe ich auf Deutsch alles. ;D
 

Revolvermeister

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Gibt es eigentlich keine Seite, die die deutschen Synchronsprecher jeweiliger Spiele auflisten?
Im Videospielbereich? Nee, nicht direkt.
Da gäbe es die Synchronkartei, die sich jedoch auf Filme und Serien beschränkt (Videospiele werden auch nicht direkt synchronisiert, weil da ohne Bild gearbeitet wird.
sm_B-B%7E1.gif
)
Bei Videospielen muss man halt auf ein anderes Forum zurückgreifen: Synchron-Forum
Ich hoffe, der Link zählt jetzt nicht als Schleichwerbung. Bin da selber auch nicht angemeldet, sondern nur stiller Leser, weil das bequemer ist, als sich die ganzen Infos im Netz zu suchen!
sm_B-B%7E1.gif


Aktuell interessieren mich die deutschen Sprecher von "Borderlands: The Pre-Sequel"
Wenn's dieselben sind wie in diesem Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=htAQifKsY5g
Dann ist Claptrap Benedikt Weber (Umbesetzung! Früher war's Patrick Schröder! :pissed:) und Wilhelm ist Gerd Meyer.
Den Rest erkenn ich nicht.
sm_B-B%7E1.gif

Wenn sich bei Handsome Jack die Stimme nicht geändert hat, dann ist das wieder Kai Taschner.
Die Spiele werden übrigens seit jeher in München vertont, weswegen ich am Mitwirken von Robert Stadlober (T.J.) und Annette Potempa (Ellie) irgendwie so meine Zweifel hab. Der eine ist in Berlin tätig und die andere im Raum Stuttgart. Murrays Stimme übrigens ebenfalls.
Wobei Rieke Werner widerum in Köln zu hören ist, und trotzdem den Mechromancer in Borderlands 2 sprach.
sm_B-B%7E1.gif


Außerdem würde ich noch gerne den deutschen Sprecher vom Hauptcharakter aus "Battlefield Hardline", "Nicholas Mendoza", wissen. Kommt mir auch sehr bekannt vor, aber kann ihn nicht zuordnen...

Finde dazu leider überhaupt nichts. :|
Klick ;)




Ich beteilige mich am Thread und sage, dass ich kein Spiel mehr auf deutsch hören möchte. Bei mir wird alles auf englisch gespielt und je nachdem wie umfassend die Story ist mit englischen Untertiteln. Kann die Stimmen einfach nicht mehr hören und wenn ich höre wie geil die Stimme im Original ist und dann völlig verändert ist bei der Lokalisation. Nein, danke.
Ach, ich finde, du scherst da zuviel über den Kamm. Natürlich gibt's viel Dreck, aber insbesondere in den letzten Jahren hat sich die Qualität stetig gebessert. Und beim Lost-Videospiel hatte man im Deutschen auf den Hauptfiguren sogar sämtliche Sprecher aus der Serie. Das hatte man im Original nicht. ;-D

Habe übrigens im TV schon Sprecher aus Metal Gear Solid 1 erkannt und war überrascht wie wenig sie mittlerweile dazu gelernt haben. Besonders die von Meryl :S
Ich frag mich ja, wo du die gehört hast, denn außer Werbung sprechen die ja nicht viel. :B
 

Sc4rFace

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Ach, ich finde, du scherst da zuviel über den Kamm. Natürlich gibt's viel Dreck, aber insbesondere in den letzten Jahren hat sich die Qualität stetig gebessert. Und beim Lost-Videospiel hatte man im Deutschen auf den Hauptfiguren sogar sämtliche Sprecher aus der Serie. Das hatte man im Original nicht. ;-D
Du kannst dich zwar gut ausdrücken in Worten, aber nicht immer das herausfiltern was manche dir schreiben :P Ich kritisiere nicht jede mögliche Synchro, aber oft werden herausragende Stimmen aus dem Original einfach falsch besetzt für die deutsche Synchro. Wenn man mal an das Paradebeispiel MGS 1 geht, dann wurde Solid Snake recht gut umgesetzt vom Klang der Stimme, der Sprecher hat aber einfach kein Talent die Dramatik/Story an den Spieler rüberzubringen - ist aber noch einer der besseren Sprecher. Liquid Snake ist im Original auch völlig fehlbesetzt und zum Ohropax stopfen. Warum die Fans den unbedingt in MGS 4 wollten kann ich nicht verstehen.

Wenn ich dann Vergleiche Deus Ex: Human Revolution, wieder ein Sprecher mit einzigartiger Stimme und dann unsere Synchro höre, keine Chance. Da ich des Englischen mächtig bin möchte ich auch das bestmögliche Erlebnis. Splinter Cell Blacklist ist aktuell bei mir der Fall wo ich beide Synchros nicht gut finde. Da die Story in der Serie generell zum wegwerfen ist stört mich das dann aber auch nicht weiter. Oft wird auch versucht das Original nachzuahmen wie bei MGS und wenn es nicht funktioniert bekomme ich Brechreiz beim zuhören.

Finde es aber schön, wenn sich jemand für unser Land einsetzt, die Leute müssen auch ihr Geld verdienen.

Ich frag mich ja, wo du die gehört hast, denn außer Werbung sprechen die ja nicht viel. :B
Frag mich nicht. Ich kann dir nicht sagen, ob es tatsächlich Werbung war oder eine Serie (welches Niveau auch immer %) ), aber gut war es nicht :B Ist aber auch schon Jahre her, wer weiß was diese Person(en) mittlerweile machen.
 
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Revolvermeister

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Du kannst dich zwar gut ausdrücken in Worten, aber nicht immer das herausfiltern was manche dir schreiben :P Ich kritisiere nicht jede mögliche Synchro, aber oft werden herausragende Stimmen aus dem Original einfach falsch besetzt für die deutsche Synchro.
Wenn du schreibst, dass du kein Spiel mehr auf deutsch hören möchtest, weil du die ganzen deutschen Stimmen nicht mehr hören kannst, kommt es eben vor, dass die Filter ganz gerne mal versagen! :B Aber klar, manchmal steh' ich auch einfach auf'm Schlauch. Passiert.

Wenn man mal an das Paradebeispiel MGS 1 geht, dann wurde Solid Snake recht gut umgesetzt vom Klang der Stimme, der Sprecher hat aber einfach kein Talent die Dramatik/Story an den Spieler rüberzubringen - ist aber noch einer der besseren Sprecher. Liquid Snake ist im Original auch völlig fehlbesetzt und zum Ohropax stopfen. Warum die Fans den unbedingt in MGS 4 wollten kann ich nicht verstehen.
Das Problem bei der deutschen Fassung von Metal Gear Solid war in meinen Augen, dass man auf Biegen und Brechen versucht hat, das Original zu imitieren. Wenn im Englischen ein David Hayter seine Stimme bis zum Geht-Nicht-Mehr verstellt, funktioniert das. Wenn man das allerdings im Deutschen versucht, geht das aber auf alle Fälle schief! :S
Und das klingt dann im besten Fall wie Stephan Grothgar als Solid Snake und im schlimmsten Fall wie Michael Hulsmann als Liquid. Aber was kann man schon von einer deutschen Synchro erwarten, die in London aufgenommen wird. :B
Bei Vanquish war's übrigens dasselbe, da hat man im Deutschen auch wieder versucht, die Stimme zu drücken um auf coolen, harten Hund zu machen. Und wer saß in der Regie und war verantwortlich dafür? Der deutsche Liquid! :B

Wenn ich dann Vergleiche Deus Ex: Human Revolution, wieder ein Sprecher mit einzigartiger Stimme und dann unsere Synchro höre, keine Chance.
Die Antwort überrascht mich jetzt aber ein wenig, denn in aller Regel wird die Stimme von Jensen im Original immer kritisiert, er würde gelangweilt klingen und immer monoton sprechen, und so weiter. Und die Deutsche im Gegenzug als Verbesserung gelobt.
 

Devilhunter2002

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Klinke mich hier auch mal ein, gesell mich zu Scar und sag mal ganz provokant dass ich deutsche Synchros ebenfalls nicht mehr ertrage. Erklärungen folgen.

Ich stelle mal folgende Aussage in den Raum: Eine nachträgliche Synchro, egal wie gut sie auch sein mag, kann aus Prinzip nicht an die Originalvertonung herankommen. Das liegt nicht unbedingt an den deutschen Sprechern. Klar hier gibt es auch sehr viele Fehlbesetzungen und aus Budgetgründen "schlechte" Sprecher. Es gibt aber auch sehr viele sehr gute und sehr bemühte Sprecher.
Allerdings kann auch der beste Sprecher aus Scheisse kein Gold machen, um es mal drastisch auszudrücken. Mein Hauptproblem liegt nämlich am Drumherum.
Im Original stammt das Skript direkt vom Entwicklerteam und geht somit Hand in Hand mit dem Spiel. Der oder die Schreiberlinge machen sich Gedanken, schreiben ihre Charaktere und ihre Stories. Sprecher werden gezielt ausgesucht und bei den Aufnahmen begleitet und geleitet. Im Idealfall arbeiten sie zusammen oder spielen im Falle von Motion-Capture die Rollen sogar direkt.

Im Deutschen sieht das ganze etwas anders aus. Gehen wir mal durch:

Übersetzung
Spoiler:
Bei der deutschen Version wird erstmal übersetzt. Im Normalfall (aber auch nicht immer) wird dann sinngemäss und grammatikalisch korrekt übersetzt aber vom Spiel selbst haben die Übersetzer logischerweise keine Ahnung. Dementsprechend ist hier schon der erste Stolperstein, dass die Übersetzung inhaltlich nicht unbedingt zum Spiel oder der jeweiligen Situation passt. Da gibt's bereits kleinere Dinge und komplette Totalausfälle.
Wenn in Dark Souls 2 ein Gebiet namens Sinner's Rise zum Sünderhügel wird ist das zwar eine passende Übersetzung, inhaltlich aber kompletter Schwachsinn da es sich dabei um einen Turm handelt und weit und breit kein Hügel in Sicht ist. Das ist nur eine Kleinigkeit stört aber schonmal.

Wirklich schlimm wird's aber erst wenn ein Shepard z.B. anfängt seinen besten Kumpel Garrus mit dem er bereits seit Jahren durch dick und dünn geht zu siezen. Die ganze Reihe dreht sich zwar darum dass man Bindungen aufbaut und die Teammitglieder zu sowas wie einer Ersatzfamilie werden aber klar - Siezen muss sein. Inhaltlich kompletter Blödsinn und für mich absoluter Stimmungskiller.
Selbiges dass selbst der ärgste Feind in der brenzligsten Situation noch höflich gesiezt werden muss. Korrekte Übersetzung? Vielleicht. Sinnvoll und realitätsnah? Definitiv nicht. Wenn ich mich mit jemandem prügle der mich umbringen will und ihn anschreie dann ist eine höfliche Anrede irgendwie unpassend. :B


Authenzität
Spoiler:
Das bringt mich zum nächsten Problem das ich mit deutscher Synchro hab. Siezen geht einfach mal überhaupt nicht. Wenn Shepard (zu Anfang zumindest) mit Anderson zu tun hat passt es noch. Nicht wirklich vertraut, höherer Rang etc. Aber siezen wird viel zu oft eingesetzt und fast immer unpassend. Ich sieze meine Kumpels oder Arbeitskollegen ja auch nicht. Das hat für mich einen grossen Anteil an der Realitätsnähe bzw Realitätsferne der Synchros.
Kann sein dass es nur mir als Österreicher so geht aber für mich klingen sie (auch abgesehen vom ewigen Siezen) immer viel zu realitätsfern und zu sehr nach Nachrichtensprecherdeutsch. Niemand redet so absolut korrekt. Es wirkt einfach nicht authentisch und stets gleich steif und künstlich.

In den Originalfassungen gibt es da so viele Variationen, Abstufungen, verschiedene Akzente, Dialekte, Slangbegriffe die der Vertonung Authenzität verleihen. Auf Deutsch ist es zwar deutlich schwerer, da man die verschiedentsten Dialekte untereinander nicht versteht und wohl niemand einen bayrischen Shepard will, aber es gäbe dennoch Möglichkeiten zwischen dem Nachrichtensprecherdeutsch und Hochdeutsch wie man es im Alltag sprechen würde.

Bleiben wir mal bei Mass Effect. Ist ja auch eine tolle Serie.
Einer Miranda merkt man direkt schon an ihrer Art zu sprechen ihren sozialen Hintergrund und ihre Stellung an. Ein Anderson ist vielleicht ein hohes Tier in der Allianz, allerdings hört man immer noch an der Art zu reden raus dass er nicht in diese Welt reingeboren wurde sondern sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet hat. Solche kleinen Nuancen machen Charaktere realistisch und "menschlich" und verschwinden einfach auf deutsch. Wenn man solche Dinge auf deutsch versucht klingt das immer irgendwie gekünstelt oder geht voll in die Hose.

Bestes Beispiel für mich ist hier Ni No Kuni. Das Spiel hat eine exzellente und liebevolle deutsche Übersetzung aber bei Drippy hat man voll ins Klo gegriffen. Auf Englisch hat er einen breiten Cockney-Slang, was super-witzig rüberkommt (und storymässig Sinn ergibt). Auf Deutsch wollten sie wohl auch etwas besonderes machen und haben ihm ebenfalls einen Slang verpasst. Nur klingt er jetzt wie ein Ghetto-Asi aus Berlin Tag&Nacht der zwanghaft versucht cool zu sein, was einfach nur zum Fremdschämen einlädt.


Sprachaufnahmen
Spoiler:

Ist das Skript dann schliesslich fertig und mal mehr mal weniger verunstaltet worden kommen erst die Sprecher zum Zuge und versuchen dann eben das Beste aus dem zu machen was sie kriegen. Dabei sind die Umstände wohl auch alles andere als optimal und weit weg von der Situation wie sie bei der Originalvertonung vorherrscht. Im Regelfall gibt's das Skript und mit viel Glück noch eine Charakter und Szenenbeschreibung (wenn überhaupt) - that's it. Ein genaues Verständnis vom Umfeld, vom Spiel oder ähnliches gibt's schonmal garnicht. Dass dabei logischerweise selbst der beste Synchronsprecher der Welt nicht wirklich alles geben kann sollte klar sein.
Und trotzdem wird immer über die Sprecher gemeckert obwohl diese meist am wenigsten für das Ergebnis können.


Die Sprecher
Spoiler:

Es gibt sehr gute deutsche Synchronsprecher, allerdings würde ich mal behaupten dass dennoch nochmals ein ordentlicher Qualitätsunterschied zwischen ihnen und deutlich teureren englischen Sprechern oder gar einem hochklassigen Hollywoodschauspieler besteht. Ein Willem Dafoe ist in Beyond Two Souls einfach eine ganz andere Liga als irgendein deutscher Synchronsprecher, egal wie gut dieser seinen Job macht.

Und Kingdom Hearts ist auf Englisch einfach ein ganzes Hollywood-Sammelsurium das jedes Fanboyherz höherschlagen lässt. Alleine Leonard Nimoy und Mark Hamill. :X

Oder auch wieder Mass Effect. Das wird auf Deutsch zwar immer gelobt, allerdings klingt es für mich der die englische Version gewohnt ist einfach deutlich schlechter. Joker, der Comic-Relief, wird von Seth Green, einem echten Comedian gesprochen. Da sitzt der Humor einfach. Oder Yvonne Strahovski bringt die kühle Miranda einfach besser rüber (auch wenn ich da als Chuck-Fan etwas befangen bin). Und Tricia Helfer hatte eben schon mehrere Jahre BSG lang Zeit ihr Spiel als Maschine/KI zu "üben". Und Liara ist ohnehin perfekt besetzt. Ali Hillis hat einfach die perfekte Stimme für diese Figur. Zu Anfang die süsse, unschuldige Liara die eher sanft hauchend spricht bis später wenn sie etwas strenger und bestimmter wird. Aber von ihr bin ich eh Fan. :X

Allgemein stört es mich auch dass es nur gefühlt 10 Sprecher gibt die alle Schauspieler und/oder Spiele vertonen. Da hab ich ständig das Gefühl - ach du schon wieder. Und dann klingen viele eben immer fast gleich egal wen sie gerade vertonen. Joker in ME klingt exakt gleich wie Marshal in How I Met Your Mother.
Wobei das Problem auf Englisch auch in kleinerem Rahmen vorhanden ist. Praktisch alle Atlus Titel haben die gleichen Sprecher und Troy Baker spricht gefühlt jedes zweite Spiel. Allerdings kann der gute Mann seine Stimme einfach hervorragend anpassen. In Last of Us klingt er ganz anders als in Final Fantasy.


@Deus Ex Human Revolution:
Das ist eines der wenigen Spiele die ich tatsächlich zuerst auf Deutsch (verdammte PS+ Version konnte man nicht auf Englisch spielen) und später nochmals auf Englisch gespielt hab. Muss Scar da ebenfalls zustimmen. Obwohl ich die deutsche Stimme bereits gewohnt war fand ich die Englische nachher auf Anhieb besser. Der hat einfach so eine rauchige, grimmige Stimme und trägt alles so ein wenig mit einer weltverdrossenen Art vor die zum Spiel passt. Adam Jensen ist ein bisschen abgefuckt und pessimistisch eingestellt. Die Welt ist einfach ziemlich am Arsch.
Die deutsche Stimme finde ich zwar auch super und passt stimmlich sehr gut, allerdings war mir die Art zu sprechen zu neutral, weniger mitreissend und zu sehr auf "Held" gemünzt. Man vergleiche nur mal das Voice-Over in diesem und diesem Trailer. Die vermittelte Stimmung ist komplett verschieden.
 
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Revolvermeister

Bekanntes Gesicht
Ich stelle mal folgende Aussage in den Raum: Eine nachträgliche Synchro, egal wie gut sie auch sein mag, kann aus Prinzip nicht an die Originalvertonung herankommen.
Wie immer gilt jedoch: Ausnahmen bestätigen die Regel. Und die Ausnahme im Videospielbereich trägt den klangvollen Namen "Grim Fandango". Da stimmt in meinen Augen alles. Übersetzungsfehler sind keine zu finden, der Humor wird ohne Verluste ins Deutsche übertragen und Tommi Piper übertrumpft mal einfach so die Vorlage und verleiht Manny eine Herzlichkeit, die obwohl sie in der Figur fest verankert ist, beim Spiel von Tony Plana ein wenig untergeht. :X

Aber klar, im Deutschen hat man 'ne Menge Stolpersteine, da ist die deutsche Tonfassung immer hinter dem Original anzutreffen, aber alle paar Jahrzehnte gibt's auch mal 'ne Ausnahme. ;-D

Wirklich schlimm wird's aber erst wenn ein Shepard z.B. anfängt seinen besten Kumpel Garrus mit dem er bereits seit Jahren durch dick und dünn geht zu siezen. Die ganze Reihe dreht sich zwar darum dass man Bindungen aufbaut und die Teammitglieder zu sowas wie einer Ersatzfamilie werden aber klar - Siezen muss sein. Inhaltlich kompletter Blödsinn und für mich absoluter Stimmungskiller.
Selbiges dass selbst der ärgste Feind in der brenzligsten Situation noch höflich gesiezt werden muss. Korrekte Übersetzung? Vielleicht. Sinnvoll und realitätsnah? Definitiv nicht. Wenn ich mich mit jemandem prügle der mich umbringen will und ihn anschreie dann ist eine höfliche Anrede irgendwie unpassend. :B
Das fand ich selbst auch unschön, aber dieses "Hamburger Sie" ist leider die einzige sinnvolle Lösung. Darunter leiden auch alle Bioware-Titel, da wird im Deutschen immer gesiezt. Bzw. "geihrt". :B Das ist das Problem, wenn's zu einem gewissen Teil beim Spieler liegt, ob dieser sich denn nun mit seinen Begleitern anfreundet, oder nicht. In Mass Effect 2 konnte man sich wahlweise auch mit Thane anfreunden, der ist dann sogar zum Du übergegangen (nur um dann in Mass Effect 3 wieder zum Sie zu wechseln, geht halt nicht anders).
Das Englische hat halt einfach den Vorteil, dass sich das Du/Sie im Kontext ergibt, die haben ja schließlich bloß ihr "You". Während man im Deutschen dann die Arschkarte gezogen hat und das passendere nehmen muss -> Sie. Gänzlich unangebracht ist das ja schon aufgrund des dortigen Militärtons nicht.

Kann sein dass es nur mir als Österreicher so geht aber für mich klingen sie (auch abgesehen vom ewigen Siezen) immer viel zu realitätsfern und zu sehr nach Nachrichtensprecherdeutsch. Niemand redet so absolut korrekt. Es wirkt einfach nicht authentisch und stets gleich steif und künstlich.
Stimmt leider. Synchros sind in den letzten 30 Jahren furchtbar steril geworden, was die Aussprache angeht. :S

In den Originalfassungen gibt es da so viele Variationen, Abstufungen, verschiedene Akzente, Dialekte, Slangbegriffe die der Vertonung Authenzität verleihen. Auf Deutsch ist es zwar deutlich schwerer, da man die verschiedentsten Dialekte untereinander nicht versteht und wohl niemand einen bayrischen Shepard will, aber es gäbe dennoch Möglichkeiten zwischen dem Nachrichtensprecherdeutsch und Hochdeutsch wie man es im Alltag sprechen würde.

Bleiben wir mal bei Mass Effect. Ist ja auch eine tolle Serie.
Einer Miranda merkt man direkt schon an ihrer Art zu sprechen ihren sozialen Hintergrund und ihre Stellung an. Ein Anderson ist vielleicht ein hohes Tier in der Allianz, allerdings hört man immer noch an der Art zu reden raus dass er nicht in diese Welt reingeboren wurde sondern sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet hat. Solche kleinen Nuancen machen Charaktere realistisch und "menschlich" und verschwinden einfach auf deutsch. Wenn man solche Dinge auf deutsch versucht klingt das immer irgendwie gekünstelt oder geht voll in die Hose.
Weswegen Akzente, Dialekte, usw. in aller Regel auch rausfliegen. Meiner Meinung nach, ist das auch besser so.
Und ganz ehrlich, dieses Verdeutlichen des sozialen Hintergrunds, woher Figur X abstammt, in welchem Milieu sie angesiedelt ist, ist etwas, was an mir bislang völlig vorübergegangen ist. Hab dafür einfach kein Ohr. Ich schaff das nicht, an der Art zu reden rauszuhören, ob der Typ jetzt Waliser ist, oder Schotte oder Ire. Geschweige denn ob er aus Unter-, Mittel-, oder Oberschicht stammt! Das ist also etwas, was bei mir so oder so verloren geht. %)

Sprachaufnahmen
[...]
Im Regelfall gibt's das Skript und mit viel Glück noch eine Charakter und Szenenbeschreibung (wenn überhaupt) - that's it. Ein genaues Verständnis vom Umfeld, vom Spiel oder ähnliches gibt's schonmal garnicht. Dass dabei logischerweise selbst der beste Synchronsprecher der Welt nicht wirklich alles geben kann sollte klar sein.
Das Einweisen der Sprecher müsste glaub ich der Dialogregisseur übernehmen, oder vielleicht ein Supervisor, wie es sie heutzutage oft gibt. Leute, die keine Ahnung haben, aber darauf achten sollen, dass alles seine Richtigkeit hat, na Bravo!
Wenn übrigens ein Synchronsprecher keine zufriedenstellende Leistung bringt, wär's ebenfalls die Aufgabe des Dialogregisseurs, diesen härter ranzunehmen.

Oder auch wieder Mass Effect. Das wird auf Deutsch zwar immer gelobt
Von wem? :B
Teil 1 und Teil 2 wurden bei Release eher zerissen.
Ob das bei Teil 3 auch so war, weiß ich nicht.

Allgemein stört es mich auch dass es nur gefühlt 10 Sprecher gibt die alle Schauspieler und/oder Spiele vertonen. Da hab ich ständig das Gefühl - ach du schon wieder. Und dann klingen viele eben immer fast gleich egal wen sie gerade vertonen. Joker in ME klingt exakt gleich wie Marshal in How I Met Your Mother.
Wobei das Problem auf Englisch auch in kleinerem Rahmen vorhanden ist. Praktisch alle Atlus Titel haben die gleichen Sprecher und Troy Baker spricht gefühlt jedes zweite Spiel. Allerdings kann der gute Mann seine Stimme einfach hervorragend anpassen. In Last of Us klingt er ganz anders als in Final Fantasy.
Öh ... Robin Atkin Downes, Dwight Schultz, Fred Tatasciore, Steve Blum, Tara Strong, Jennifer Hale, Dave Fennoy, Nolan North, (und der von dir bereits erwähnte) Troy Baker?
Im Englischen hört man doch ständig dieselben Leute, dagegen hat man in Deutschland eigentlich sogar 'nen ziemlich großen Sprecherpool. :B
Und wenn man dem deutschen Joker vorwirft, er klinge wie Jason Segel, muss man dem englischen vorwerfen, dass er wie Chris aus Family Guy klingt.
Tut mir Leid, aber den Vorwurf im Deutschen hätte man so wenig Sprecher halte ich für Unsinn.

@Deus Ex Human Revolution:
Das ist eines der wenigen Spiele die ich tatsächlich zuerst auf Deutsch (verdammte PS+ Version konnte man nicht auf Englisch spielen) und später nochmals auf Englisch gespielt hab. Muss Scar da ebenfalls zustimmen. Obwohl ich die deutsche Stimme bereits gewohnt war fand ich die Englische nachher auf Anhieb besser. Der hat einfach so eine rauchige, grimmige Stimme und trägt alles so ein wenig mit einer weltverdrossenen Art vor die zum Spiel passt. Adam Jensen ist ein bisschen abgefuckt und pessimistisch eingestellt. Die Welt ist einfach ziemlich am Arsch.
Die deutsche Stimme finde ich zwar auch super und passt stimmlich sehr gut, allerdings war mir die Art zu sprechen zu neutral, weniger mitreissend und zu sehr auf "Held" gemünzt. Man vergleiche nur mal das Voice-Over in diesem und diesem Trailer. Die vermittelte Stimmung ist komplett verschieden.
Bei Deus Ex hab ich nur wiedergegeben, was ich so gehört hab, Fachpresse, etc.
Deus Ex: HR hab ich auch zu meiner eigenen Schande nie durchgespielt ...
Wenn ich da jetzt die Trailer vergleiche, dann erkenn ich natürlich, dass im englischen ein gewisser Verdruß Jensens mitschwingt.
Auf Trailer geb ich aber eigentlich nicht viel, ein wenig lieblos umgesetzt sind sie ja alle im Deutschen. Besonders etwa der Trailer zu The Dark Knight klang mies. :B
 
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Devilhunter2002

Bekanntes Gesicht
Aber klar, im Deutschen hat man 'ne Menge Stolpersteine, da ist die deutsche Tonfassung immer hinter dem Original anzutreffen, aber alle paar Jahrzehnte gibt's auch mal 'ne Ausnahme. ;D

Habe Grim Fandango nie gespielt (nicht mein Genre) von dem her kann ich das leider nicht beurteilen. Aber Ausnahmen bestätigen wie du sagst die Regel. Auch bei Serien gibt's sehr selten mal grandiose Übersetzungen - besonders aus früheren Tagen. Eine schrecklich nette Familie finde ich z.B. auf Deutsch fantastisch.

Das Englische hat halt einfach den Vorteil, dass sich das Du/Sie im Kontext ergibt, die haben ja schließlich bloß ihr "You". Während man im Deutschen dann die Arschkarte gezogen hat und das passendere nehmen muss -> Sie. Gänzlich unangebracht ist das ja schon aufgrund des dortigen Militärtons nicht.

Das stimmt natürlich. Da hat man es auf Englisch deutlich einfacher. Wobei sooo kompliziert ist das im Deutschen ja auch nicht. Trotzdem wird es praktisch immer merkwürdig eingesetzt. In ME kann man mit dem Militär argumentieren (auch wenn es merkwürdig ist wenn Liara einen immer noch siezt wenn man sie knallt :B ) bei den meisten Spielen/Filmen/Serien gibt es keine Ausrede für das falsche Siezen.
Selbst bei japanischen Versionen klappt es besser (zumindest soweit ich das mit meinen bescheidenen Kenntnissen bemerke). Und da ist das mit den Anreden und Höflichkeitsfloskeln nochmal eine ganze Ecke komplizierter als auf Deutsch.

Und ganz ehrlich, dieses Verdeutlichen des sozialen Hintergrunds, woher Figur X abstammt, in welchem Milieu sie angesiedelt ist, ist etwas, was an mir bislang völlig vorübergegangen ist. Hab dafür einfach kein Ohr. Ich schaff das nicht, an der Art zu reden rauszuhören, ob der Typ jetzt Waliser ist, oder Schotte oder Ire. Geschweige denn ob er aus Unter-, Mittel-, oder Oberschicht stammt! Das ist also etwas, was bei mir so oder so verloren geht. %)

Alles eine Frage der Übung mein Freund. Spiel öfters mal auf Englisch dann kriegst du recht bald ein Gehör dafür. Und wie gesagt, für mich geben diese kleinen Nuancen wenn man sie mal gewohnt ist dem ganzen einen schönen Extraschub an Authenzität und Persönlichkeit den man sehr schnell vermisst wenn er auf Deutsch fehlt.

[...] Dialogregisseur [...]

Yup. Können noch so gut und motiviert sein, wenn das Verständnis des Materials nicht da ist (was einfach aus Prinzip nicht möglich ist) kann einfach nichts bei rauskommen. Und das wird dann an die Sprecher weitergegeben die dafür den ungerechtfertigten Hate abbekommen.

Von wem? :B
Teil 1 und Teil 2 wurden bei Release eher zerissen.
Ob das bei Teil 3 auch so war, weiß ich nicht.

Von Verteidigern deutscher Synchros wird das immer wieder als positives Beispiel gebracht. Gibt zwar deutlich Schlechtere aber nur weil etwas das geringste Übel ist macht es das in meinen Augen noch nicht gut.

Öh ... Robin Atkin Downes, Dwight Schultz, Fred Tatasciore, Steve Blum, Tara Strong, Jennifer Hale, Dave Fennoy, Nolan North, (und der von dir bereits erwähnte) Troy Baker?
Im Englischen hört man doch ständig dieselben Leute, dagegen hat man in Deutschland eigentlich sogar 'nen ziemlich großen Sprecherpool. :B
Und wenn man dem deutschen Joker vorwirft, er klinge wie Jason Segel, muss man dem englischen vorwerfen, dass er wie Chris aus Family Guy klingt.
Tut mir Leid, aber den Vorwurf im Deutschen hätte man so wenig Sprecher halte ich für Unsinn.

Ging mir eher um die Art der Vertonung als um die Sprecher an sich. Dass sie zu wenig Varianz in ihre Rollen bringen. Der deutsche Joker in meinem Beispiel klingt wirklich exakt so wie er als deutscher Marshal klingt. Seth Green klingt in Family Guy ganz anders.
Bei deutschen Sprechern denk ich mir meist sofort: Ach das ist doch die Stimme von A, B, X und von Z.
Bei englischen Sprechern kommt es oft vor dass ich sie gar nicht erkenne selbst wenn ich sehr vertraut mit der Stimme bin. Schaue z.B. seit Jahren Castle und hab Stana Katic in Arkham City trotzdem nicht erkannt. Oder Logan aus Veronica Mars in Kingdom Hearts. Oder Lena Headey in Dishonored... Da kam bei den Credits immer ein ziemlicher WTF-Moment.

Bei Deus Ex hab ich nur wiedergegeben, was ich so gehört hab, Fachpresse, etc.
Deus Ex: HR hab ich auch zu meiner eigenen Schande nie durchgespielt ...
Wenn ich da jetzt die Trailer vergleiche, dann erkenn ich natürlich, dass im englischen ein gewisser Verdruß Jensens mitschwingt.
Auf Trailer geb ich aber eigentlich nicht viel, ein wenig lieblos umgesetzt sind sie ja alle im Deutschen. Besonders etwa der Trailer zu The Dark Knight klang mies. :B

Ja, Trailer sind so eine Sache. Aber in diesem Fall kann ich dir versichern dass die Stimmung des Trailers exakt der des Spiels entspricht.
Wenn du schon Dark Knight ansprichst: Bane in Dark Knight Rises war ganz schlimm. Keine Ahnung was sie sich da auf Deutsch mit dem Hall gedacht haben. :S
 

Revolvermeister

Bekanntes Gesicht
Ging mir eher um die Art der Vertonung als um die Sprecher an sich. Dass sie zu wenig Varianz in ihre Rollen bringen. Der deutsche Joker in meinem Beispiel klingt wirklich exakt so wie er als deutscher Marshal klingt. Seth Green klingt in Family Guy ganz anders.
Seth Green lässt sich in Family Guy aber auch raushören! :B
Das ist leider alles, was ich erwidern kann, weil ich dir sonst im wesentlichen zustimmen muss. So extrem wie im Englischen werden die Stimmen hierzulande nicht verstellt.
Andererseits, wissen wir ja alle, was rauskommt, wenn das ohne Rücksicht auf Verluste erzwungen wird, nämlich so'n Mist wie in Vanquish und Metal Gear Solid. Und sowas will erst Recht keiner hören. :S


Wenn du schon Dark Knight ansprichst: Bane in Dark Knight Rises war ganz schlimm. Keine Ahnung was sie sich da auf Deutsch mit dem Hall gedacht haben. :S
Ich hab damals direkt beim ersten Satz Banes lachen müssen! :X
Aber der O-Ton stieß auch auf einiges Unverständnis, da gab's nicht wenige, die sich über das - was war es noch gleich? - heißere Shakespeare-Englisch, wunderten. Was natürlich nicht heißen soll, dass Banes Art zu Sprechen im Deutschen nicht völlig bescheuert ist. ;-D
Aber es geht ja um den Hall ... der ist mir eigentlich nie (negativ) aufgefallen. Den Verantwortlichen offenbar auch nicht, sonst hätte Hollywood garantiert interveniert.
 

Revolvermeister

Bekanntes Gesicht
So, mal den Thread aus der Versenkung holen.:B
Heute:

:top: Bioshock Infinite

Jaja, die Bioshock-Titel. Die wohl intelligentesten Titel (mit Ausnahme von Bioshock 2), die das junge Medium Videospiele bisher hervorgebracht hat.
Veraltete Ideologien, die auf die Spitze getrieben werden, garniert mit unethischem, pervertierten Wissenschaftshickhack, in einer Umgebung, die ans Lächerliche grenzt. Plus: massig Popkultur!
Serienerfinder Ken Levine kann ohne Frage als cholerischer, perfektionistischer Christopher Nolan der Videospiele bezeichnet werden, der gute Unterhaltung und Anspruch unter einen Hut bekommt. Obendrein hat er es geliebt, seine Untergebenen rund um die Uhr schuften zu lassen und sie zur Sau zu machen, wenn ihm was nicht passte. Aber die Arbeitsbedingungen interessieren nicht. Hauptsache, die Spiele taugen was!

Und die deutsche Vertonung? Die auch! ;)
Hauptfigur Booker DeWitt klingt wie ein harter Hund und wird höchstens von Comstock getoppt, der religiöse Fanatiker, in dessen Städtchen Booker gestolpert ist. Wenn dieser die Stimme erhebt um seinem geistlichen Irrsinn Luft zu machen, bebt die Luft, der Raum erzittert und der Bildschirm ist kurz davor zu bersten.
Der Rest ist ebenfalls auf hohem Niveau, keiner gibt sich die Blöße.
Und im Gegensatz zu den Vorgängern, in denen tatsächlich innerhalb des Spieles immer im Hauptrollenbereich ein Sprecherwechsel stattfand (kein Scherz!), behalten hier erstmals in der Geschichte der Reihe alle Figuren ihre Stimmen. Eine tolle Leistung, die auch gar nicht selbstverständlich ist![/Ironie]
Die Übersetzung muss jedoch (in meinen Augen) mit Abzügen in der B-Note leben. Das Spiel spielt im schönen Jahr 1912, da hätte ich es nicht schlecht gefunden, wenn sich das ein wenig im Text wiederspiegeln würde und man die Anglizismen auf ein Minimum zurückgefahren hätte. Klar, Begriffe wie "Songbird" oder "Battleship Bay" können beibehalten werden, weil es Eigennamen sind, aber Sachen wie "Song" oder "Sorry" haben mich dann doch ein klein wenig aus dem Spiel gerissen. Den gemeinen Durchschnittszocker fällt sowas aber ohnehin nicht auf, geschweige denn, dass es ihn kümmern würde. Also gibt es auch hier keine Probleme.

Abschließend kann man sagen, Wenn mehr Spiele eine so fantastische Vertonung wie Bioshock Infinite - oder die Bioshock-Reihe im Allgemeinen - hätten, dann wäre die Welt ein besserer Ort. Jawohl. %)


Als Bonus (vorsichtshalber in Spoilerklammern):
:top: Seebestattung, Episode I & II:
Spoiler:

Ach, Rapture, du feuchter Traum eines jeden Bioshock-Fans! Gab es je eine schönere oder faszinierendere Kulisse in einem Videospiel? Ein wunderschönes Art-Déco-Paradies auf dem Grund des Meeres, das zum verwüsteten Schlachtfeld wurde. :X
Es ist klar, für jeden, der das Meisterwerks von 2007 gespielt und geliebt hat, stellt Rapture Urlaubsziel Nummer eins dar. Kaum verwunderlich also, dass es Booker auch dort hinverschlägt, ist es doch der perfekte Ort um zu vergessen. Dort hat man seine Ruhe, es gibt keine Kardashians, keine Nicki Minaj, keine Miley Cyrus, kein Justin Bieber, oder ein anderes Schreckgespenst aus dem einundzwanzigsten Jahrhundert. :S
Dort, im friedlichen Rapture, bevor die Stadt zu dem gefährlichen Pflaster wurde, dass die Welt kennt und liebt, geht der gute Booker DeWitt dem coolsten Beruf der Welt nach: Privatdetektiv. Und das in bester Sam-Spade-Film-Noir-Manier. Da passt es nur zu gut, dass Elizabeth auch irgendwann reinschneit, als waschechte Femme Fatale von Welt.

Nachdem die DLCs ursprünglich nur mit englischem Ton erschienen waren, geschah es urplötzlich vor etwas mehr als einem Jahr, dass eine deutsche Fassung heruntergeladen werden konnte. ... Wieso auch immer. :B
Booker und Elizabeth haben ihre Stimmen aus dem Hauptspiel behalten und klingen beide toll.
Alte Bekannte in Rapture hatten da weniger Glück. Sowohl Sander Cohen, Künstler vom Dienst, als auch Yi Suchong, Genetiker ohne Grenzen, bekamen beide neue Stimmen spendiert. Während Cohen auch mit neuen Stimmbändern tadellos funktioniert, fehlt Suchong einfach die Kaltschnäuzigkeit, die im Originalspiel stets mitschwang und auch bitter nötig war, bei den Dingern, die der verrückte Koreaner im Labor abgezogen hat.
Erfreulicherweise blieb das beim Gründer Raptures, Andrew Ryan, erspart, der klingt einschneidend, selbstbewusst und bedrohlich wie damals. Schade nur, dass seine Rolle hier eher kurz ausfällt.
Was eine echte Überraschung darstellt, ist dass der manipulative Atlas wieder seine "Hauptstimme" aus Bioshock hat. Überraschend deshalb, weil die erste Stimme nicht nur gegen Ende vom Originalspiel, Bioshock, einer anderen weichen musste, sondern auch nicht mehr im dürftigen Nachfolger, Bioshock 2, zu hören war (da war es absurderweise sogar eine dritte Stimme!). Und Atlas, der eiskalte Dreckssack klingt einfach hervorragend, denn hier tritt er bereits vom ersten Moment an als der eiskalte Verbrecher auf, wohingegen er im ursprünglichen Bioshock die erste Hälfte das freundliche Weichei mimte. :X
Und das entschädigt in meinen Ohren mehr als ausreichend für die unschönen Umbesetzungen bei Cohen und Suchong und obendrein kann ich der Übersetzung lediglich vorwerfen, dass die Untertitel mal wieder nicht mit dem gesprochenen Text übereinstimmen. Aber sonst: Daumen hoch! :top:
 
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