Hab mir das Spiel gestern frisch aus'm Laden geholt und die Nacht durchgezockt. Was da kommt ist natürlich meine absolut fachmännische, objektive Meinung, wie unschwer am Text zu erkennen sein sollte.

(PS.: Erst ist mir absolut nix eingefallen, jetzt schreib ich jeden Scheiß auf

)
Spider-Man versucht einen auf Batman zu machen. Er hat jetzt 'ne ordentliche Story, ein Dutzend Bosse, schleimige Kanalisationen und natürlich jede Menge Luftschächte (über die der gute auch gerne mal den einen oder anderen brüllend komischen Witz reißt). Nur leider kommt er dabei nicht ganz so authentisch rüber wie Kollege Wayne.
Die Grafik ist nicht der Oberknaller und überall ploppt irgendwas auf, aber sowas stört doch niemanden ernsthaft. Die nicht gerade riesige, aber große, frei erkundbare Spielwelt sieht trotzdem gut aus.
Sound und Soundtrack finde ich sehr nice, da kracht es ordentlich und die Musik könnte glatt aus dem Film stammen, weiß ich nicht, hab ich nicht gesehen. Die deutsche Synchro ist mal wieder nur mittelmäßig bis mies. Sie ist zwar auch für den einen oder anderen gewollten Lacher gut, ansonsten macht sie allerdings auch gerne mal einen Abstecher in Richtung nicht ernstnehmbar, lächerlich oder peinlich.
Die Story spielt gleich nach dem Ende des Films und ist wieder so'n Standard-Gedöns: "Die Bedrohung der Menschheit, diesmal in Form von mutiertem, verseuchtem Kleinvieh und riesigen Robotern. Du bist Spider-Man. Rette Manhattan... nochmal!"
Türlich gibts da 'nen Twist und 'nen Twist vom Twist gratis obendrauf und kurz vor'm Ende wird Spidey mal so richtig getwistet, aber vom Stuhl blasen tut das alles nicht.
Unterhalten tut es trotzdem, vor allen Dingen aufgrund der actionreich inszenierten Bosskämpfe (von denen es eine ganze Menge gibt). Wie Spider-Man dann einen auf Kratos macht und den einen oder anderen Riesenroboter per Quick-Time-Event genüsslich auseinandernimmt ist meiner Meinung nach das Coolste am ganzen Spiel.
Nur zwischen den ganzen Obermotzen kann es manchmal ein bisschen eintönig werden, da einige der verschiedenen Innenareale anscheinend vom selben Möbelhaus ausgestattet wurden. Naja, aber da die Spielzeit der Hauptstory sowieso nur knapp 5 1/2 Stunden beträgt, ist das noch verschmerzbar und der nächste Bosskampf kommt bestimmt.
Das Kampfsystem ist relativ simpel gestrickt: Ein Knopf für das Standard-Geprügel, einen zum Ausweichen, einen für Spezial-Shit. Dann noch einen, um sich schnell in Sicherheit zu bringen, wenn normales Blocken mal nicht reicht und dann noch R1 für eine Netzattacke mit großer Reichweite, die man mit Standard und Spezial-Shit kombinieren kann, wenn man sich die entsprechenden Upgrades holt.
Apropos Upgrades: Auch ein Spider-Man verdient jetzt Erfahrungspunkte, steigt im Level auf und schaltet Upgrades frei. Die Punkte bekommt man für besiegte Gegner, lange Kombos, Spezialattacken, erledigte Missionen, gefundene Sammelitems etc.
Mit dem neuen Netzsprint-Feature kann man per Tastendruck Spideys Spinnensinne aktivieren und die Zeit für ein paar Sekunden extrem verlangsamen, wenn eine Situation im Kampf mal zu hektisch wird oder man ihn mit mehr Präzision schwingen lassen will. Dann bekommt man automatisch mögliche Punkte angezeigt und Spidey begibt sich zu dem Punkt, auf den man zielt, sobald man die Taste loslässt.
Die Steuerung beim Herumschwingen an sich könnte nicht viel anspruchsloser sein. Man hält R2, lenkt in die gewünschte Richtung und Spidey tut den Rest. Das läuft zwar meistens alles ganz entspannend und stressless, (nur ab und zu kann er sich nicht entscheiden, ob er nun an der Wand entlanglaufen oder sich daran reiben möchte) aber ein paar mehr Moves und ein bisschen mehr Speed hätte ich mir da schon gewünscht. Spidey kann sich nichtmal irgendwo mit dem Netz dranhängen (Stichwort: Hubschrauber bei Spider-Man 2). Aber das ist auch nicht so schlimm, denn es gibt sowieso nix, wo ein Hubschrauber Spidey hinbringen könnte. Die Freiheitsstatue ist eine unerreichbare 3 Zentimeter hohe Silhouette kilometerweit draußen in der Bucht... Okay, ich weiß, dass das realistischer ist, hab's auch grad bei Google Maps nachgeguckt, aber ich bin es halt gewohnt, vom Battery Park rüber nach Ellis Island zu hüpfen.
Natürlich gibt es neben der Hauptstory auch noch einige Nebenjobs zu erledigen. Ich schreibe diesmal absichtlich nicht jede Menge, denn es ist doch irgendwie ziemlich mau, was einem da noch geboten wird. Da hat man dann noch eine Handvoll "echte" kleine Nebenmissionen, die nochmal was mit der Story zu tun haben, aber ansonsten nur:
- Schnapp dir den Irren und bring ihn in's Irrenhaus
- Schnapp dir den Kranken und bring ihn in's Krankenhaus
- Schnapp dir die Raser
- Schnapp dir die Gangster in der Seitenstraße
- Schnapp dir den Schnappschuss für die Zeitung
- Schnapp dir die Kamera und mach ein cooles Video von deinen akrobatischen Schwingkünsten (nicht täuschen lassen, das ist genauso lame, wie alle anderen klingen!)
Das sind alles Aufgaben, die irgendwie so vor sich hinplätschern. Nicht spannend genug, um dich auch nur in irgendeiner Weise zu jucken, aber gleichzeitig auch nicht langweilig genug, damit du einfach aufhörst. Man könnte, wenn man wollte, nochmal knapp 5 Stunden Spielzeit aus diesem sich immer wiederholenden Quark rausholen und hätte dann den Großteil der Nebenmissionen absolviert. Nicht gerade der Hammer! Aber dann gibt's ja noch die 800 was weiß ich collectibles, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Wie viel Zeit man dafür braucht, die alle einzusacken, kann ich noch nicht sagen.
Das coole an diesem Sammelkram sind die Extras, die man damit freischaltet. Da gibt es Charakterbiografien, Konzeptgrafiken und original steinalte Spider-Man Comics.
Was ich noch schade finde ist die Tatsache, dass das Spiel einem nur einen Speicherplatz zur Verfügung stellt. Ist zwar kein großes Problem, aber dat tut doch nich Not sowat!
Fazit: Wenn man kein Spider-Man 2 erwartet, wo das ziellose Herumschwingen und irgendwelche lustigen Nebenmissionen machen zwei der größten Spaß-Faktoren waren, kann man sich The Amazing Spider-Man ruhig mal antun... für'n Zwanni©
