AW: Alpha Protocol: Agentenaction von Obsidian Entertaiment
Aus der Reihe "Spiele, die sonst keiner spielt": DSR's Meinung zu Alpha Protocol
Um es direkt vorweg zu sagen: ich find es super. Jawohl. Ich bin mir bewusst, dass Alpha Protocol mehr Macken hat als alle meine anderen Rollenspiele zusammen. Veraltete Grafik, Tearing, Bugs, Abstürze und noch vieles mehr. Aber wisst ihr was? Drauf geschissen! Bis auf die Grafik kommen die restlichen Fehler nicht so oft vor, als würden sie den Spielfluss stören oder es gar unspielbar machen. Nein, das auf jeden Fall nicht.
Warum ich es also so gut finde... nun, ich stehe auf Rollenspiele und Action. Hat es beides, das ist gut und von mir aus könnte es mehrere Actionspiele geben, die über einen ähnlichen Anteil an Elementen verfügen, die meine Spielfigur individualisieren lassen. Das gibt mir grundsätzlich das Gefühl, dass ich auch etwas individuelles erlebe. Natürlich hier nur in begrenztem Rahmen, was das Aussehen von Micheal Thornton angeht.
Das Gameplay ist im Grunde recht simpel. Man könnte sagen, es spielt sich, wenn man versucht ungesehen durch die Level zu schleichen, ein wenig wie Metal Gear Solid. Statt einem Radar in der obreren Ecke sieht man mit der entsprechenden Fähigkeit über den Köpfen der Gegner ihre Blickrichtung und ihren Status. Wenn sie sich nicht gerade im Alarmzustand befinden, kann man über die K.I. nicht klagen und es verlangt schon einiges an Vorsicht und das richtige Timing, um ungesehen voran zu kommen. Hat jedoch jemand Alarm geschlagen, und die Gegner versuchen einen zu jagen, stellt sich heraus, dass es manchmal richtigen Idioten sein können, die sich gern hinterrücks abknallen lassen, obwohl man gerade noch in ihrem Blickfeld rumgerannt ist. Aber okay, damit kann man leben. Was mich aber wirklich stört, ist die Tatsache, dass ich nur an bestimmten Stellen mit der Umwelt interagieren kann. Warum muss ich ein Türschloss knacken, was evtl. den Alarm auslöst, wenn daneben ein offenes Fenster ist? So etwas erlaubt das Spiel nur da, wo ich es soll.
Was mich aber wirklich motiviert, das Spiel weiterzuspielen ist die spannende Agentenstory, der Umfang und die Entscheidungsfreiheit, die deutlich sichtbare Konsequenzen nach sich zieht. So hat jeder Charakter, dem man begegnet, einen Wert, der sich durch das Verhalten des Spielers, egal ob in einem Gespräch oder durch Entscheidungen im Einsatz, zum positiven oder negativen verändert. Je nach dem, stehen einem dann Kontakte offen, die einen mit Waffen und Ausrüstung versorgen können. Während der Missionen findet man auch immer Taschen mit Geld, das man einsammeln kann um damit neue Waffen oder Objekte zu kaufen.
Und mal ganz so nebenbei: Interessant ist auch der Email-Verkehr. Man bekommt nach jeder Mission immer wieder Mails, die man hin und wieder auch beantworten kann. Man wählt zwischen verschiedenen Antworten aus, die sich ebenfalls auf das Verhältnis auswirken können. Mann kann zum Beispiel direkt sein und mit "Lieber, Steve. Bitte halt die Fresse. Mit freundlichen Grüßen, Mike." antworten oder eine Mail mit ebenfall schwachsinnigem Inhalt zurück schicken. Letzteres ist wieder ein Frendschaftsbonus, weil man mitspielt.
Es ist aber nicht so, dass man jeden Charakter mit Samthandschuhen anfassen muss, um sich mit ihm gut zu stellen. Manche mögen das Gegenteil. Um das herauszufinden, gibt es eine Datenbank mit Dossiers zu jedem Charakter und Gruppierung, die sich nach und nach erweitert. Einige Informationen über Leute kann man kaufen, andere erhält man während der Mission. Wirklich nette Idee und auch sehr hilfreich. Obsidian hat sich einiges bei Bioware abgeschaut. Es gibt wie in Dragon Age oder Mass Effect wieder ein paar Ladys, die man verführen kann. Apropos Mass Effect. Das Dialogsystem ist in etwa so ziemlich das selbe, wenn ich mich nicht irre.
Die Story ist, wie schon gesagt, wirklich spannend. Das liegt nicht nur daran, dass man sich mit jeder der vielen Gruppierungen, sogar mit den feindlich, wissentlich oder unwissentlich verbünden kann und sich dadurch andere Situationen ergeben. Wer freundlich und wer feindlich gesinnt ist, ist nicht eindeutig klar. Man verlässt sich daher oft auf sein Gefühl und dadurch können sich unerwartete Wendungen ergeben. Man bereist im Verlauf der Handlung Saudi-Arabien, Moskau, Rom und Taipeh. Es steht einem sogar offen, was man zuerst angeht und auch die Reihenfolge einiger Missionen innerhalb eines Gebietes ist nicht festgelegt. Verwanzt man beispielsweise zuerst den Satelliten eines feindlichen Stützpunktes, erfährt man, dass der Treffpunkt mit einem Kontakt an anderer Stelle ein Hinterhalt ist. Nur als Beispiel.
Auch hat man immer wieder die Wahl, ob man jemanden töten will, oder sich mit ihm verbündet bzw. einfach laue lässt. Oft verschafft es einem Vorteile, jemanden am Leben zu lassen. Lässt man einen russischen Waffenschieber leben, stehen einem neue Waffen zum Kauf zur Verfügung. Oder man knallt ihn einfach ab, weil der Bosskampf genervt hat und man sich einfach besser fühlt. Im besten Fall kommt das anderen Fraktionen zugute.
Mein Highlight des Spiels ist übrigens folgender Bosskampf. Ein vollgekokster Russe in seiner Privatdisco, den man bekämpfen muss, während im Hintergrund "Turn Up The Radio" läuft.
Um es noch mal kurz zu machen:

spannende, nicht lineare Story

viele Entscheidungsmöglichkeiten mit Konsequenzen

aufrüstbare Waffen und viele verschiedene Skills

Umfang rund 30 Stunden

coole Minispiele (Hacken, Schlösser knacken usw.)

veraltete Technik, Bugs und Abstürze inklusive

primitves Gameplay (offenes Fenster...)

teilweise dumme K.I.
Wenn man etwas für umfrangreiche Verschwörungsstories mit Agenten und Actio-RPG's übrig hat, dann sollte man Alpha Protocol auf jeden Fall spielen, ungeachtet dessen, wie es aussieht. Jap.
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