AW: Der Review-Thread
Final Fantasy X
Damals schien es wie in einer perfekten Welt. Nintendo und Squaresoft verstanden sich blendend, und die damals schon extrem populären Final Fantasy-Rollenspiele verkauften sich wie warme Semmel. Doch alles hat ja bekanntlich ein Ende, und plötzlich gab Squaresoft bekannt, das Final Fantasy ab sofort exklusiv auf Sonys Playstation erscheinen würde. Über eine Million eingefleischte Nintendo-Fans wechselten sofort das System und stiegen um zu Sonys Playstation. Zurecht, wie sich später herausstellen sollten, waren doch Final Fantasy 7, 8 und 9 wahrlich geniale Videospiele. Warum Squaresoft plötzlich zum direkten Nintendo-Konkurrenten wechselte, wurde bis heute noch nicht bekannt gegeben. Manche mutmaßen, der Wechsel sei auf die Nintendo-Module zurückzuführen, andere waren sich ganz sicher, dass Sony kräftig in die Tasche gegriffen hat. Aber eins ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Die Final Fantasy-Teile waren allesamt Meilensteine der Videospielgeschichte. Ob das neuste Final Fantasy, welches erstmals auf der Playstation 2 erscheint, nahtlos an die legendären Vorgänger anknüpfen kann, lest ihr im folgenden Test.
Eigentlich ist es ja ein ganz normaler Abend für den jungen Blitzballspieler Tidus: Der Blondschopf hat ein Blitzballspiel, und wird von seinen Fans wie ein Superstar gefeiert. Doch dann passiert etwas, mit dem niemand gerechnet hätte: Das riesige Monster Sin greift plötzlich die Stadt an, und terrorisiert die Einwohner. Tidus und ein alter bekannter namens Auron ergreifen die Initiative und kämpfen sich mit Schwertern durch Monsterherden. Aber Sin, das riesige Monster, ist ihnen überlegen, und selbst der sehr starke und erfahrene Kämpfer Auron kann das Unglück nicht mehr verhindern: Tidus stürzt in eine Art Schlucht, die Sin in die Stadt gerissen hat. Tidus scheint verloren, doch dann geschieht wieder etwas merkwürdiges: Tidus stürzt in eine Art schwarzes Loch, dass ihn in eine andere Welt teleportiert. Dort trifft er den ebenfalls blitzballbegeisterten Wakka, der ihn schnell mit der jungen und sehr mutigen Yuna bekannt macht. Diese hat die besondere Begabung, sogenannte Bestias zu beschwören. Mit diesen Bestias, die in Tempeln zu finden sind und alle unterschiedliche Eigenschaften aufweisen, will sie sich auf den Weg machen, ein Monster zu besiegen, dass ihre Welt namens Spira bedroht: Sin. Natürlich lässt es sich Tidus nicht nehmen, und begleitet ebenso wie Wakka Yuna auf ihrer abenteuerlichen Reise. Schnell trefft ihr auf Lulu, die Yuna beschützen soll, Kimhari Ronso, Auron und Rikku, die allesamt Yuna begleiten. Auf der Reise durch Spira steuert ihr dann Tidus, stellvertretend für die ganze Party. Dabei werdet ihr Schritt für Schritt in die Geschichte eingeführt, wobei euch die Story entweder in absolut atemberaubenden Rendersequenzen, wie schon im Final fantasy-Kinofilm, oder nicht weniger schönen Zwischensequenzen erzählt wird. Wer Bedenken hat, sich an ein Rollenspiel zu wagen, da diese meist sehr komplex sind, dem wird beim bereits 10. Teil der Serie perfekt geholfen, denn nicht nur ihr seid ganz neu in Spira, sondern auch Tidus. So werdet ihr Schritt für Schritt mit allen Feinheiten der Story und des Gameplay vertraut gemacht. Die Story ist dabei recht komplex, trotzdem aber gut zu verfolgen. Nicht selten wird es euch die Sprache verschlagen, wenn sich wieder einmal die Story überraschend wendet. Um nicht allzu sehr die Spannung auf die Story zu verderben, enthalte ich mich einfach mal, da außerdem nie im Leben der Platz reichen würde, um alle Details zu beschreiben.
Ein sehr wichtiger Bestandteil von Final Fantasy sind natürlich die Kämpfe. Auf der Reise begegnen euch viele verschiedene Monster, die alle sehr individuell und unterschiedlich aussehen. Die Kämpfe sind rundenbasiert, und insgesamt können immer 3 Charaktere aus eurer 7-Köpfigen Party kämpfen. Tidus ist flink und somit für schnelle Gegner geeignet, Lulu kann sehr gut Zaubern, Wakka kann mit seinem Flugball selbst die größten Fluggegner vom Himmel holen, Rikku kann Objekte zusammenbasteln, Kimhari und Auron sind besonders gute Kämpfe, und Yuna hat die spezielle Fähigkeit, sogenannte Bestias zu beschwören. Diese Bestias sind riesige Kreaturen, und dürften teilweise auch aus früheren Teilen der Serie bekannt sein, und lassen sich am ehesten mit den Garden Forces aus Teil 8 vergleichen. Wenn sie einmal beschwört sind, können sie spezielle und sehr starke Attacken ausführen. Dabei ist der taktische Einsatz sehr wichtig. Ein Beispiel: Ihr kämpft gegen ein Feuermonster, und setzt Shiva, ein Eis-Bestia ein. Ihr habt trotzdem aber noch keine Chance, da die Feuerattacken eurem Eismonster zu sehr zusetzen. Was nun? Ein Feuermonster muss her. Dieses absorbiert eigene Feuerattacken, und kann selbst auch neutrale Attacken ausführen. Solche Situationen erlebt ihr im Laufe des Spiels zuhauf, und taktisches Denken ist bei jedem Kampf sehr wichtig. Auf die Dauer werden die Kämpfe allerdings sehr langweilig, und die zweifellos opulent in Szene gesetzten Aktionen wirken ebenso schön wie langatmig.
Habt ihr einmal einen der spärlich verstreuten Speicherpunkte erreicht, könnt ihr auch Blitzball spielen. Dieses Handball-ähnliche Wasserspiel ist wirklich sehr umfangreich und abwechslungsreich. Es gibt sogar eine eigene Liga und Pokale, bei denen ihr nützliche Items freispielen könnt.
Ein weiteres typisches Rollenspiel-Feature ist das Aufleveln der Charaktere. Bei Final Fantasy X haben sich die Charaktere jedoch was ganz besonderes einfallen lassen. Nach erfolgreich abgeschlossenen Kämpfen bekommt ihr Erfahrungspunkte. Habt ihr eine Grenze überschritten, bekommt ihr einen Zug auf dem sogenannten Sphere-Board. Dieses lässt sich am besten mit einem riesigen Labyrinth vergleichen. Ihr zieht auf dem Brett eure Wege, und lernt so ganz neue Attacken, Zauber, verbessert eure Angriffsfähigkeiten oder erhöht die HP-Zahl eurer Charaktere. Das ist besonders wichtig, denn wenn einmal einer eurer Charaktere bei Kämpfen zu sehr verletzt wird, müsst ihr eine der sehr seltenen Phoenix-Federn verwenden, um ihn wiederzubeleben. Neben diesen Federn gibt es rollenspieltypisch auch sehr viele weitere Items, wie zum Beispiel Potionen, die Heiltränke bei Final Fantasy.
Die Grafik lässt einen sehr zwiespältigen Eindruck. Auf der einen Seite sind da die wunderschönen Charaktere, die tollen Texturen, die famosen Effekte und die absolut atemberaubenden Zwischensequenzen. Leider hat Square wie immer bei der Pal-Anpassung geschlampt leider. Das Bild wird von sehr dicken Pal-Balken extrem zusammengestaucht. Square sagte zwar, dass sie die Pal-Anpassung wegen der Sequenzen verunschönern mussten, so richtig glauben mag das aber keiner. Schade wenn die Pal-Balken nicht vorhanden wären, wäre das Spiel eines der grafisch beeindruckendsten Spiele aller Zeiten geworden.
Der Sound hinterlässt ebenfalls einen guten, wenn auch nicht überragenden Eindruck. Eine deutsche Synchronisation hat sich Square gespart, allerdings ist der Sound trotzdem recht gut. So müsst ihr fleißig die sehr langen Dialoge mitlesen schade, zumal die Übersetzung sehr schwach ist. Wenn ihr die Möglichkeit habt, solltet ihr euch unbedingt die US-Version des Spiels kaufen!
Die Steuerung kann das schon mehr überzeugen. Ihr könnt Tidus sehr präzise durch die sehr lineare Welt von Spira, und die Steuerung ist insgesamt sehr intuitiv. Zwar habt ihr sehr viele Interaktionsmöglichkeiten, der Controller wirkt aber nie überladen.
Sehr gut hingegen ist die Bonus-DVD, die Squaresoft jedem Spiel beigelegt hat. Hier erfahrt ihr auch mal, wer hinter der legendären Serie steckt, und was die Entwickler über das Spiel denken. Zudem findet ihr hier eine Kunstgalerie und viele Trailer zu anderen Squaresoft-Spielen. Ob die sicherlich interessante DVD den überaus hohen Preis von knapp 70 rechtfertigt, ist allerdings nicht klar.
Fazit
Hmm, Final Fantasy X ist ein wirklich schwerer Fall. Das Gameplay an sich ist Final Fantasy-typisch sehr gelungen, und die Story ist wunderschön erzählt. Auch die Steuerung kann überzeugen, und ihr werdet knapp 50 Stunden blendend unterhalten. Nach dem Spiel könnt ihr euch auch noch mal auf Entdeckersuche begeben, denn es gilt, viele Subquests zu entdecken. Leider motiviert das Spiel keineswegs zum mehrmaligen Durchspielen, denn die wunderschönen Zwischensequenzen lassen sich nicht abbrechen, und dass viele Leute die Geduld mitbringen, ist fraglich. Der größte Kritikpunkt ist aber sicherlich die absolut missratene Pal-Anpassung, die das Bild deutlich zusammenstaucht und wirklich hässlich ist. Als Rollenspiel ist FFX sicherlich super als Teil der Final Fantasy-Serie aber eher schwach. Dennoch sollte sich niemand dieses Spiel entgehen lassen.
Dies hat mir am besten an diesem Spiel gefallen:
gutes Gameplay, super Story
Das fand ich nicht so toll in diesem Spiel:
miserable Pal-Anpassung
Wertung: 85 %