Gute Kolumne!
Vieles sehe ich ähnlich bis genauso, allerdings muss ich sagen, dass ich ein Fan von gut in Szene gesetzter Gewalt in Spielen/Filmen/Büchern bin. Oftmals wirkt, gerade in Videospielen, diese Inszenierung aber willkürlich und billig, als würde eine aus drei Punkten bestehenden Checkliste seitens der Entwickler abgearbeitet;
Haben wir Blut? Check
Haben wir abgetrennte Gliedmaßen bei harten Schlägen/Explosionen? Check
Haben wir genug blutverschmierte Leichen ohne Geschichte in der Welt platziert? Check
Als Negativbeispiel dazu fallen mir Spiele wie
SoF Payback
das schon angesprochene Bioshock Infinite
Dishonored
CoD Black Ops 2020
und selbst GTA3/VC/SA
ein.
Wenn ich drüber nachdenken würde, fielen mir wahrscheinlich noch zig weitere Spiele ein, in denen der Gewaltgrad keinen Mehrwert mit sich bringt.
In anderen Spielen, wie z.B.
L4D2
GoW
Wolfenstein
Doom
Dead Space
Bulletstorm
Dead Island und seinem geistigen Nachfolger
erwarte ich allerdings übertrieben dargestellten Scharmützel mit so allerlei herumfliegenden und herumliegenden Körperteilen, da es meiner Meinung nach dem Spielspaß beiträgt und der Dynamik des Kampfes Wucht verleiht.
Dann gibt es noch die Liste der Spiele, die Gewalt einsetzen, um zu erschüttern und dem Spieler die Menschlichkeit bzw. Unmenschlichkeit der Pro- & Antagonisten vor Augen zu führen.
Mein aktuellstes Positivbeispiel dafür ist TLOUII.
Die unglaubliche Härte und Erbarmungslosigkeit ist genau das, was ich von einer postapokalyptischen und ungeordneten Welt voller Gefahren und Interessentskonflikten erwarte. Das Spiel schafft es, mir die Charaktere nicht nur als Kanonenfutter, sondern als ebenfalls in dieser Welt ums Überleben kämpfende "Mit"menschen zu präsentieren. Da musste ich schon einige Male schlucken, wenn ich mich wieder dazu entschieden habe, jemanden per Kehlenschnitt zu beseitigen, weil die Welt eben nicht schwarz/weiß ist.
Ebenso in CoD WaW (uncut), klar ist die Gegenseite der "Feind", aber haben die Soldaten es verdient durch einen Luftschlag lebendig verbrannt zu werden und um ihr Leben fürchtend röchelnd durch den Marsch zu kriechen oder gefangen im Bunker geröstet zu werden?
Andererseits sind das auch nur eine Momentaufnahmen, die auf mich Eindruck hinterlassen hat. Die zahllosen Schießbudenballereien sind auch schnell wieder vergessen.
Ein überraschend hartes Spiel, was ich so nicht erwartet habe, ist A Plague Tale. Hier ist weniger das Gameplay brutal, sondern die Welt um einen herum, wie sie aufgebaut und erzählt ist. Je weiter man in der Geschichte voranschreitet, desto düsterer wird es und einige Schauplätze sind wirklich grausig (im positiven Sinne) inszeniert. Das bringt mir die Bedrohung Nahe und ich nehme die Welt ernst, möchte nicht länger als nötig an bestimmten Orten bleiben und fühle mit.
Gewalt ist für mich also nicht gleich Gewalt und wenn sie einen Mehrwert zum Spielgefühl beträgt, begrüße ich sie. Ist das pervers? Weiß ich nicht, vielleicht.