Wenn's mich zwei Mal gäbe, würde ich mir Kekse backen

Ode an die Zitronen

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von am 11.10.2013 um 14:59 (1211 Hits)
Oder: Wieso ich gerade dann anfange, kreativ zu werden, wenn es mir überhaupt nicht passt

Eigentlich habe ich ja zu tun. Eigentlich müsste ich noch so viele Zeichen und Worte und Sätze über bildende Kunst schreiben, bis ich mir selber vorkommen wie Michelangelo oder Van Gogh. Es ist doch aber so: Man ist immer dann in allem anderen am besten, als in dem, was man zu tun hat, wenn man es zu tun hat. Ich bin wirklich gut im Aufräumen, aber nur, wenn ich gerade eigentlich die Steuer machen müsste. Ich kann auch echt gut backen, aber nur, wenn der Staubsauger mich fragend ansieht. Dann sprudelt und sprießt ein Ideensalat in meinem Kopf wie ein verdammter Garten Eden und ich könnte mir acht Arme und sechs Beine wachsen lassen und alles gleichzeitig tun.
Dieser Unwille, Dinge zu tun, wenn sie anfallen, bis der Druck, sie jetzt tun zu müssen, übermächtig wird, ist eines der stabilsten Dinge in meinem Leben. Jedes Jahr ist eigentlich mein einziger fester Vorsatz, nicht immer alles bis auf die letzten drei Minuten vor zwölf hinauszuschieben, und jedes Jahr im Januar wache ich morgens strahlend auf und habe alles vergessen.
Ich bin Aufschiebe-Bulimikerin. Ich warte, bis der Haufen an Arbeit am größten ist, nicht einmal bewusst, viel eher aus einer wirklich ätzenden inneren Laune heraus, so als würde mein Kopf sagen, hey, ich find's echt geil dich kotzen zu sehen. Dann stopfe ich alles gleichzeitig in mich hinein bis ich in die allerletzte Nervenritze voll bin mit Arbeit und Hass auf diese Arbeit und dann, wenn endlich der Stichtag gekommen ist und mein Stresspegel bei konstant neuntausendsechshundertachtundvierzig liegt und wahlweise die Wohnung glänzt oder die Steuer gemacht ist oder die Abertausenden von Zeichen, Wörtern, Sätzen und Abhandlungen geschrieben sind oder alles zusammen, dann gedankenkotze ich alles wieder aus.
So ist es immer und so wird es immer bleiben und es ist ja irgendwie beruhigend zu wissen, dass es Dinge gibt, die sich nie ändern werden. So wie die Sonne jeden Morgen auf- und jeden Abend wieder untergeht und die Zeitung grundsätzlich nur so im Briefkasten liegt, dass sie durchweichen muss bevor man sie reinholen kann, so wie diese Naturgesetze bestehen, werde ich niemals damit beginnen, wichtige Arbeiten rechtzeitig zu erledigen.
Eigentlich schön. Wenn es nicht so ätzend wäre.
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